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Es ist kalt und zieht an den Füßen

Das Thermometer zeigt 23 °C und doch sind die Füße kalt. In Bodenhöhe zieht es ständig. Die Fenster sind zu. Alle Heizkörper sind gleichmäßig warm. Trotzdem ist es ungemütlich.

Schauen wir uns einmal um: Die Fenster sind zwar nicht neu, haben aber doch Isolierverglasung und erscheinen ausreichend winddicht. Die Wände sind auch nicht übertrieben kalt, so dass dort keine Kälte „herunter fließt“ in Richtung Füße. Die Heizkörper werden nicht ständig auf- und abgeregelt, sondern wärmen gleichmäßig.

In unserem Fall handelt es sich um einen Altbau mit schönen hohen Decken. Ja richtig, Wärme steigt nach oben und es gibt immer ein Mindestmaß an Konvektion im Raum, aber deswegen braucht es nicht derart zu ziehen. Die Türen sind so alt wie das Haus, also gut 100 Jahre. Sie sind überarbeitet und neu angestrichen. Sie schließen sogar einigermaßen gut.

 

Der ursprüngliche Dielenboden hatte im Laufe der Jahre verschiedene Beläge erhalten, die teils übereinander verlegt wurden. Dabei wurden die Türen unten abgesägt. Zuletzt wurden die Originaldielen, immerhin auch gut 100 Jahre alt, freigelegt, abgeschliffen und neu geölt. Das Abschleifen hat wieder einige Millimeter gekostet. Es ist also ein ansehnlicher Spalt zwischen dem Fußboden und der Tür entstanden. Wenn die Tür zwei gleich warme Zimmer trennt, wäre das kein Problem. Führt sie dagegen in ein ungeheiztes Treppenhaus, einen Flur oder dergleichen, drückt die kalte Luft von dort durch den Spalt in den warmen Raum und verteilt sich in Fußhöhe.

Abhilfe schaffen entweder mehr oder weniger schöne „Fugenbesen“ oder die gute alte Türschwelle. In der Altbauwohnung an alle Türen Schwellen einzubauen hat den Vorteil, dass damit ohne Aufwand Höhenunterschiede der Böden der einzelnen Räume ausgeglichen werden können. Auch optisch können Türschwellen attraktiv sein bei Materialwechseln. Für mich gibt es gestalterisch zwei Varianten: der verbindende, großzügige, gleichmäßig durchgehende Boden oder der, die einzelnen Räume betonende, Materialwechsel mit neutraler Schwelle. Das ist übrigens keine neue Erfindung, wie man an dem rechten Bild sieht.

Wenn Türschwellen genutzt werden, ergibt sich unter Umständen auch die Möglichkeit eine umlaufende Türdichtung anzubringen. Dann ist wärme- und schalltechnisch das Beste getan.

Man stolpert nicht über die Schwellen. Sogar Besuch hat sich schnell daran gewöhnt.

(Jetzt komme mir bitte keiner mit Barrierefreiheit, im zweiten Stock bei 3,80 m Geschosshöhe und keinem Aufzug.)

 

Einblasdämmung im Altbaudach?

„Ich habe Gutes von Einblasdämmung gehört. Kann die auch in ein Altbaudach einbebaut werden?“

Präzisieren wir „Einblasdämmung“: Ich möchte hier von Zellulose- bzw. Holzfaser-Dämmung zum einblasen in Hohlräume reden. Es gibt andere Materialien zum einblasen, wie Mineralwollfasern oder Kunststoffgranulat, z.B. als Kerndämmung im Mauerwerk. Mit denen kenne ich mich wenig aus. Als Dämmung im Dach sind sie eher ungewöhnlich. Die ökologische Bilanz lässt Wünsche offen. Also zu den Zellulose- und Holzfasern:

Holzfaserdämm-Platten und flexible -Matten setze ich hier als bekannt voraus. Sie werden beim Einblasen benötigt, um geschlossene Hohlräume zu schaffen, die anschließend ausgeblasen werden können. Im Beispiel hier sind es außenseitig imprägnierte Unterdachplatten auf den Sparren und innenseitig eine armierte Luftdichtigkeitspappe. Beide können dem Einblasdruck widerstehen.

 

Im Drempelbereich haben wir eine „normale“ Holzfaserplatte verwendet. Das saubere, luftdichte Abkleben der Anschlüsse fehlt hier noch. Im rechten Bild sind die geschlossenen Einblasöffnungen zu erkennen.

Eine oft gestellte Frage: „Sackt die Dämmung nicht?“ Nein, die Zellulose- bzw.. Holzfasern verfilzt beim einblasen. Gleichzeitig wir sie so verdichtet, dass sie nicht sacken kann. Kontrolliert wird das durch die Menge Material pro Hohlraum.

Zwei weitere Anwendungen: Dämmen eines Installationsschachtes im Jahrhunderwendehaus (ein Bild aus den 1990er Jahren) und Dämmen eines Erdgeschossbodens (Holzständerwände mit Lehmsteinen ausgefacht)

 

Eigentlich sind alle vier Bilder recht alt und zeigen nicht wirklich Neues. Allerdings – und nicht wirklich zu verstehen – ist diese Art der Wärmedämmung im Alt- wie Neubau, noch immer verhältensmäßig unbekannt.

 

Dachdämmen ohne Abdecken?

„Das Schrägdach des Altbaus ist intakt, also die Dachkonstruktion ist solide, die Dachziegel sind gut. Nun soll das Dach wärmegedämmt werden ohne das Dach abzudecken. Was ist zu tun?“

Schauen wir uns ein Beispiel an, das wir gerade in der Planung haben: Es ist das Dach eines ehemaligen Stalls, der zum Wohnhaus umgebaut werden soll. Die kfw-Förderung-Denkmal ist beantragt. Die unten beschriebene Konstruktion wird diese Anforderungen übersteigen, denn es ist genug Raum nach innen. Es könnte auch der Speicher eines Nachkriegs-Wohngebäudes sein. Ein diffusionsoffener Aufbau, analog eines Standard-Neubaudaches, ist vorgegeben. Neben dem winterlichen Wärmeschutz spielt auch der sommerliche eine bedeutende Rolle. Auf eine Klimaanlage im zukünftigen Schlafzimmer soll unbedingt verzichtet werden können. Das wurde in der Wahl der Dämmstoffe berücksichtigt (s.u.).

Ein kleiner Exkurs zum Thema diffusionsoffener Dachaufbau:

Eine Dampfbremse wird immer dann erforderlich, wenn der Widerstand einer der genannten Schichten gegen Wasserdampf, der aus dem Innenraum nach außen drückt, größer ist als der einer weiter innen befindlichen Schicht. Anders gesagt: wenn der Dampfdruckwiderstand innerhalb des Dachaufbaus von innen nach außen abnimmt, wird keine Dampfbremse benötigt, da der Aufbau immer schneller austrocknen kann, als Feuchtigkeit von innen nachkommt. In der belüfteten Ebene der Konterlattung wird diese Feuchtigkeit abgeleitet. Traufe und First müssen dem entsprechend offen sein.

Ein Dachaufbau, der auf diese Weise immer trockenbleibt, kann auch bei einem Schaden austrocknen. Baukonstruktiv befinden wir uns auf der sicheren Seite. Das gilt es auch bei der Dachsanierung zu beachten.

Dem Innenraumklima im Dachraum tut das beschriebene ebenfalls gut. Lassen Sie es uns so sagen: In einer schönen, gewalkten Wolljacke schwitzen wir beim Spaziergang nicht, in einer Regenjacke sehr wohl, in einer „Funktionsjacke“ wird es zumindest „dämpfig“.

Hier der gewählte Aufbau. Es ist sicher nicht der einzig mögliche.

  • vorh. Ziegeldach
  • Dachlatten 24 x 48 mm beidseitig der Sparren (Abstand für die belüftete Luftschicht; auf Belüftung an der Traufe und Entlüftung am First achten)
  • Holzfaserdämmplatten N+F, 35 mm (Unterdach)
  • Zellulose-Einblasdämmung, hier 100 mm
  • Dachlatten 24 x 48 mm („gelenkige“ Unterkonstruktion für die nächste Schicht)
  • Holzfaserdämmplatten 60 mm (Dämmung und Putzträger)
  • ggf. Lehmbauplatte (für noch mehr sommerlichen Wärmeschutz und Schallschutz, wo es nötig ist)
  • Lehmarmierungsmörtel 3 mm inkl. Flachsgewebe
  • Lehmfeinputz, fein gerieben, mit Kaseinanstrich oder Lehmfarbputz

Auf wind- und luftdichte Anschlüsse muss geachtet werden.

 

Verbessern der Trittschalldämmung einer Altaudecke

„Wie kann ich die Trittschalldämmung einer Altbaudecke verbessern, wenn ich massive, echte Holzdielen und keinen schwimmenden Estrich oder anderen hohen Aufbau haben möchte?“

Das Thema Schalldämmung ist bei Altbaudecken kein triviales Thema. Beschränken wir uns auf die Frage nach dem Trittschallschutz trotz gewünschter Holzdielen. Nehmen wir einmal an, wir haben eine Holzbalkendecke, die noch mit den originalen Dielenbretten belegt ist. Diese sind fest mit den Deckenbalken vernagelt. Eine Trittschalldämmung existiert folglich nicht. In der Regel steht auch nicht unbegrenzt Aufbauhöhe zur Verfügung, weil die Türen nicht gekürzt werden können oder sollen.

Klasse wäre jetzt ein schöner, dicker Wollteppich, aber es sollen massive Holzdielen sein. Das bedeutet auch, dass wir keinen „schwimmenden“ Boden mittels „Klick-Dielen“, also mehrschichtig verleimten Brettern mit einem speziellen Nut-und-Feder-Profil, das keine Unterkonstruktion benötigt, verwenden dürfen. Massive, nicht mehrschichtig verleimte Dielenbretter benötigen eine Lattung als Unterkonstruktion auf der sie sichtbar oder unsichtbar befestigt werden. Das bedeutet mehr Aufbauhöhe. Eine Zwickmühle?

Als massive Diele dient im Bild eine 3-Schicht-Platte. Ich habe gerade kein Stück Diele parat. 3-Schicht-Platten können ein guter Kompromiss sein, wenn Höhe eine Rolle spielt, denn sie benötigen keine Lattung und damit nur 2cm Dämmung.

Eigentlich schon, aber schlaue Leute haben vor vielen Jahren ein Nut-und-Feder-System erfunden, dass aus Holzfaserdämmplatten und dazu gehörigen Latten besteht. Der Trick ist, dass die Latten durch Nut und Feder so gehalten werden, dass sie keinen Kontakt zu dem vorhandenen, alten Boden haben. Die neuen Dielen werden von der Lattung gehalten und liegen flächig auf den Dämmplatten auf.  Damit ist das Prinzip des „schwimmenden Estrichs“ auf den Holzboden übertragen. Gleichzeitig ist kein Hohlraum, der als Resonanzkörper wirken könnte, unter den Dielenbrettern zwischen der Unterkonstruktion entstanden. Die Aufbauhöhe sind ca. 4 cm plus die Dielenstärke.

Wenn die Dielen sichtbar verschraubt werden sollen, können auch einfache Latten und Schrauben, deren Gewinde nicht bis zum Kopf reicht, verwendet werden. Beim Verschrauben wird so die Latte nach oben gegen die Dielen gezogen und liegt nicht mehr auf. Da sich die Latten mit den Dielen bewegen, ist nicht mit Knarren des Holzboden zu rechnen.

 

Solarwärme – Speicherwahl

Bleiben wir bei dem sommerlichen Wetter noch einmal bei dem Thema Solar-Wärme. Wenn eine Solaranlage „sich rechnen“ soll, muss sie lange zuverlässig arbeiten. Damit sie das kann,  wird sie regelmäßig gewartet. Entscheidend sind aber auch, die richtigen, langlebigen und reparaturfreundlichen Komponenten – reden wir über den Brauchwasserspeicher.

Dieser Speicher (eines nahmhaften Herstellers) hat entscheidende Fehler, die nun dazu führten, dass er deutlich zu früh ausgetauscht werden muss.

Der Anschluss des Frischwasserzulaufs wurde undicht. Nach dem Entleeren des Speichers und dem Demontieren des Anschlusses kamen zwei Dinge zu Tage:

– Der am Speicher angeschweißte Anschluss des innen emailierten Tanks ist zur Hälfte weggerostet. Das abgelassene Frischwasser im Speicher sieht dem entsprechend aus.

– Die wärmedämmende Ummantelung des Metalltanks kann nicht demontiert werden ohne dabei zerstört zu werden. Folglich kann das Anschlussrohrstück am Speicher kann nicht gegen ein neuwertiges ausgetauscht werden. Die Reparatur kann nur provisorisch erfolgen.

Was bedeutet das nun in Bezug zum oben genannten Thema „Rechnet sich Solar-Wärme?“ ?

Die Amortisationszeit der Solaranlage zur Brauchwassererwärmung beträgt in diesem Fall 13 Jahre. Pünktlich im 13. Jahr ging einer der Solarkollektoren kaputt und konnte nicht repariert werden, weil es keine Möglichkeit gab ihn zu öffnen ohne ihn zu zerstören.Man hätte sonst den Absorger löten können. Und nun folgt der Speicher mit einem analogen Problem. Unterm Strich hat die klimafreundliche Nutzung der Sonnenergie zwar nichts gekostet, aber in dem Moment, in dem sie beginnt Geld zu verdienen, muss erneut Geld ausgegeben werden.

Das hätte vermieden werden können: Beim Kauf der Solaranlage hätte der Kunde über die unterschiedlichen Qualitäten der verschiedenen Speicherarten informiert werden sollen. Ein Edelstahlspeicher mit Edelstahlanschlüssen wäre zwar teurer in der Anschaffung gewesen, aber auch nicht durchgerostet. Ein reparaturfreundliches Gerät wäre eine weitere Option gewesen.

Und, hat sie die Solaranlage nun „gerechnet“? Ja, es war eine gute Entscheidung für die Solaranlage, denn sie war in der Lage ihre Kosten durch ihre Erträge wieder einzubringen. Eine Heizung dagegen erwirtschaftet keine Erträge. Sie benötigt laufend Geld für die Ressourcen, mit denen sie die gleiche Wärme produziert.

Am Ende ist es ein wirklich gutes Gefühl, mit Sonnen-Wärme zu duschen.

 

Welchen Boden im Jahrhundertwendehaus?

„Schlagen Sie uns doch einmal einen Bodenbelag für unsere Wohnung im Obergschoss unseres Jahrhundertwendehauses vor.“

Wir haben ein Haus der Jahrhundertwende, also Holzbalkendecken. In der Regel ist zwischen den Balken Schlacke oder ähnliches eingebracht. Darüber bilden Dielenbretter mit „Ochsenblut“ gestrichen den ursprünglichen Boden. Die Decke im Geschoss bestehen aus mit Kalk verputzten Pliesterlatten. Der Schallschutz ist mäßig. Wenn daran nichts grundsätzlich verändert werden soll, bleiben eigentlich fast alle üblichen Bodenbeläge. Zu beachten ist, dass die alten Holzbalkendecken recht deutlich schwingen. Fliesen würden ohne weiteren Aufbau brechen.

Aus Schallschutzgründen würde ich einen guten, nicht zu dünnen Wollteppichboden empfehlen. Trittschall wird damit gut gedämmt und auch Luftschall wird reduziert. Wollteppiche wirken im Gegensatz zu Kunstfaserteppichen zusätzlich Raumklima ausgleichend.

Falls Teppich nicht in Frage kommt, sind Linoleum und Kork gute Alternativen. Kork ist auch bestens für Bäder geeignet, nicht nur weil er angenehm warm an den Füßen ist. Man sollte darauf achten, dass der Kork geölt ist und nicht mit einer Kunststoffschicht „versiegelt“. Letzteres gilt ebenfalls für Holz, z.B. Dreichschicht-Parkett, das hier schwimmend verlegt würde. Die Haptik und die guten raumklimatischen Eigenschaften bleiben so erhalten.

Es gibt wirklich viele Möglichkeiten. Die gestellte Frage lässt sich so pauschal nicht gut beantworten. Ach ja, Laminat lehne ich grundsätzlich ab. Holzimitat aus Papier und Kunststoff, hart, laut, kalt, gehört nicht in ein Jahrhundertwendehaus – eigentlich nirgendwohin. Die billigen sehen nach nur fünf Jahre unansehnlich aus. Für die teuren gibt es guten Ersatz.

Schauen wir uns ein Beispiel an: Vorgefunden haben wir einen Raum mit einem bestimmt 35 Jahre alten Linoleum-Belag (s.o.). Dass der inzwischen nicht mehr schön war, sei verziehen. Man hätte ihn tatsächlich noch fein anschleifen und ölen können, muss man aber nach so langer Zeit nicht. Also haben wir ihn entfernt und eine Lage Spanplatten vorgefunden.

Um zu wissen, wie es darunter ausschieht, haben wir ein Stück Spanplatte herausgesägt, so dass wir es wieder einbauen konnten. Gefunden haben wir eine intakte Mineralwolltrittschalldämmung (was ein Wort). Eigentlich mag ich Spanplatten und Mineralwolle auch wieder nicht. Ich mag aber auch keine Geldverschwendung. Funktionierendes wegwerfen, nur weil es alt ist, ist sicher nicht im Sinne der ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit. Darunter kamen die oben genannten, ursprünglichen Dielen zum Vorschein.

Wir haben uns dann entschieden nur den alten Belag auszuwechseln. Weil Kork an dieser Stelle farblich gut zur geplanten Einrichtung und Nutzung als Herrenankleide passt und gleichzeitig fußwärmer als neuer Linoleum ist, wurde sich für ihn entschieden. Die Struktur des Kork macht den Belag unempfindlich gegen sichtbaren Schmutz. Mit einem guten Natur-Hartöl geölt, lässt er sich bestens staubsaugen und aufwischen. Wenn es in zehn / fünfzehn Jahren nötig ist, kann der Korkboden geschliffen und neu geölt werden.

 

Thermische Solarenergienutzung

„Wie und wo wird Sonnenenergie für den Wärmebedarf im Haus nutzbar gemacht?“

Beginnen wir (wieder einmal) ganz vorne. Es wird unterschieden zwischen der „passiven“ und der „aktiven“ Solarenergienutzung. Die „passive“ ist ein architektonisches Thema. Hier wird das Gebäude so entworfen, dass es in den kühlen bis kalten Monaten angemessen viel Sonne einfängt, um den Einsatz einer Heizung so weit wie möglich unnötig zu machen. Im Sommer soll das nicht sein, damit auf eine Kühlung verzichtet werden kann.

Solararchitektur müsste im Neubau eigentlich längst Standard sein. Warum das nicht so ist, weiß ich wohl, kann ich aber nicht nachvollziehen. Im Altbau ist das eher etwas schwieriger, dennoch lohnt es sich auch hier, einen versierten Solararchitekten anzusprechen. Ok, jetzt haben wir ein Problem. Geben Sie Ihrem Architekten / Energieplaner das folgende Buch aus den 1960er Jahren, aktualisiert 2015, zu lesen. Da steht alles drin. Völlig richtig heißt der Titel nicht „Energiesparendes Bauen“, sondern „Klimagerechtes Bauen“.

 

Zurück zur Frage. „Aktive“ Solarenergienutzung ist prinzipiell an nahezu jedem Haus möglich. Hier ist gemeint, dass Sonnenwärme mittels eines wasser- oder luftführenden Kollektorsystems geerntet und nutzbar gemacht wird. Das kann sowohl für die Brauchwassererwärmung als auch für die Raumheizung sinnvoll sein. Schauen wir uns ein beispielhaftes Schema an. Hieraus lassen sich diverse, individuelle Varianten ableiten, bis hin zum Nullenergie-Haus (in Kombination mit der o.g. passiven Nutzung der Sonne.) Solare Brauchwassererwärmung hat regelmäßig einen Jahresdeckungsgrad von 75 %.

Wie funktioniert das? Solarwärme wird in Sonnenkollektoren (S) gewonnen und in einem Pufferspeicher (P) gespeichert. Von dort wird die Wärme zur Raumheizung in die (Flächen-)Heizkörper (H) geleitet. Über eine, mit dem Pufferspeicher verbundene, Frischwasserstation (F) wird Brauchwasser für Bad und Küche hygienisch erwärmt. Fehlende Wärme wird durch eine Zusatzheizung (Z) dem Pufferspeicher zugeführt. Das zentrale Element der thermischen Nutzung von Sonnenenergie ist der Pufferspeicher.

Es gibt noch viel zum Thema zu sagen. Für heute soll das Prinzip der thermischen Solarenergienutzung ausreichend beschrieben sein.

Hier noch zwei verwandte Fragen und Antworten:
Was ist ein Sonnenkollektor?
Wie ist ein Sonnenkollektor aufgebaut?

 

Baustoffe vs Innenraumklima

„Wann fördern, wann schaden Baustoffe einem guten, gesunden Innenraumklima?“

Das sollte eine der wichtigsten Fragen überhaupt sein beim Bauen. Die meisten kennen nicht einmal die Frage, obwohl sie sich ständig in Innenräumen aufhalten. Kennen Sie noch den Begriff „sick building syndrome“? Heute redet keiner mehr darüber. Dennoch ist das Thema aktueller denn je.

Es ist umfangreich und ich könnte mich jetzt hier in seinen Tiefen verlieren. Aber das lassen wir. Es soll hier auch nicht auf die besonderen Notwendigkeiten von Allergikern ein gegangen werden. Das ist ein wichtiges, eigenes Thema auf das wir noch kommen werden.

Platt gesagt entsteht gutes Innenraumklima, wenn keine Schadstoffe aus den, den Raum umfassenden Flächen ausdünsten, Gerüche reduziert werden und die Luftfeuchtigkeit im angenehmen Rahmen bleibt. Hierauf wollen wir uns konzentrieren.

Man sagt, Wände sollten atmen. Das tue ich auch regelmäßig. Aber naturlich ist das Unsinn. Oder haben Sie schon einmal eine ein- und ausatmende Wand gesehen? Bauteile atmen ebenso wenig wie eine „Goretex“-Jacke oder ein „Funktionsshirt“ aus Kunst(stoff)faser. Bei letztern geht es um die Durchlässigkeit von Wasserdampf. Dafür weisen die Stoffe und Beschichtungen kleinere oder größere Löcher auf. Was sie nicht können, ist Wasserdampf puffern, also speichern und wieder abgeben. Dazu braucht es Naturfasern, z.B. Wolle. Mit Baustoffen verhält es sich genauso.

Bauteile wie Außenwände, Dächer etc. sollen sicherlich winddicht sein. Es sollte weder von außen nach innen, noch von innen nach außen Luftbewegungen geben. Die heute überall geforderte „Luftdichtigkeit“ ist allerdings auch wieder Unsinn. Bauteile sollen nicht luftdicht wie eine Glasflasche oder wie eine Aluminiumfolie sein. Das lässt sich auch kaum herstellen. Es soll nur nicht durch das Bauteil, z.B. den Anschluss Fenster – Wand, ziehen. Gelüftet wird anders.

Kleiner Exkurs: Es gibt Bauteilaufbauten, die fordern eine relativ hohe Dampfdichtigkeit, damit es nicht in dem Bauteil zu Tauwasserausfall kommt un die Funktion und Dauerhaftigkeit des Schichtaufbaus beinträchtigt wird. Wir reden hier von mehr oder weniger starken Dampfbremsen, früher auch Dampfsperren. Auch das ist ein eigenes, durchaus auch kontrovers gehandhabtes, Thema für einen eigenen Beitrag.

Es ist gut, wenn die verwendeten Baustoffe (und damit die Bauteile) insofern „atmungsaktiv“ sind, als sie sorptionsfähig und kapillar leitfähig sind. Das deutet, dass sie Wasserdampf aufnehmen, speichern und in gleichem Maße wieder abgeben können. Gleichzeitig können sie Wasserdampf im Bauteil transportieren. Wir reden hier nicht von Feuchte, nicht von flüssigem Wasser im Bauteil. Analog würden wir von Luftfeuchte (Wasserdampf in der Luft), aber nicht von Regen (Wassertropfen in der Luft) reden.

Warum ist das gut? Weil so die Bauteile dauerhaft trocken bleiben, immer ungefähr Ausgleichsfeuchte aufweisen, nicht schimmeln oder von anderen Schädlingen befallen werden. Ein Holzbalken mit 20 % Holzfeuchte, ist ein langlebiger Holzbalken. Und weiter, weil manche Schadstoffe und Gerüche an Wasserdampfmolekülen angelagert sind. Wenn es einen Austausch zwischen  der Raumluft und den umfassenden Flächen gibt, z.B. Lehmputz, riecht die Luft einfach besser, als wären die Wände lackiert.

Fazit: Bauteile und ihre Baustoffe sollen möglichst stark Wasserdampf sorptionsfähig und kapillar leitfähig sein, um ein gutes Innenraumklima zu erreichen. Je weniger sie das sind, desto mehr müssen Ersatzmaßnahmen getroffen werden und – ich behaupte das einmal – desto aufwändiger werden sie in ihrer Konstruktion oder den technischen Maßnahmen wie Lüftungsanlagen.

Gehen Sie einmal in einen „Glaspalast“ oder einen „Betonbunker“ und lassen Sie das dortige Klima auf Sie wirken. Sie können auch in die Geschäftstelle von altbau plus e.V. kommen: Glasfassade und Betonwände. Dann besuchen Sie ein Jahrhundertwendehaus oder am besten ein Holzhaus mit Lehmputz. Ich werde Ihnen dann nicht mehr viel erklären brauchen.

Zum Schluss bleibt anzumerken, dass die Struktur und Haptik der Oberflächen, Licht und Akustik weitere entscheidende Faktoren für das Wohlfühlen in Innenräumen sind…

Quelle der Grafiken: http://altbau-faqs.de/wp-content/uploads/Eckermann-Ziegert-Lehmputz-Raumklima-1.pdf

 

Abdichtung bei Teilunterkellerung

„Der Keller ist feucht. Kondenswasserprobleme sind ausgeschlossen. Das Haus ist teilunterkellert. Auch die Kellerwand unter dem Haus ist feucht. Wie kann hier abgedichtet werden?“

Schauen wir uns die Skizze an:

Oben der Systemschnitt durch ein teilunterkellertes Haus, unten ein Ausschnitt aus dem Grundriss des Kellers. Die zugänglichen Kellerwände können auf verschiedene Weisen abgedichtet werden – außer von innen (davon halte ich nur in besonderen Einzelfällen etwas, auch wenn hierfür eine Reihe mehr oder weniger genialer Lösungen angeboten werden). Es bieten sich die bekannten zementösen Dichtschlämmen, Bitumendickbeschichtungen, Kunststoffe oder Verkieselungen an. Ich bevorzuge allerdings in jedem Fall eine mineralische Abdichtung (z.B. „Dernoton“). Dazu hier ein ausführlicher Beitrag.

Doch zurück zur Frage. Alle die bekannten Abdichtungen benötigen eine ebene Wand, auf die sie aufgetragen werden. Für eine mineralische Abdichtung gilt das nicht. Die Mittelwand des Hauses hier soll, wie eingangs gesagt, auch abgedichtet werden. Dazu müsste man unter dem rechten Teil des Hauses einen Tunnel graben. Das ist eher unwahrscheinlich.

Mittels einer mineralischen Abdichtung kann das Haus rings um ausgegraben werden und dort, auch wo keine Kellerwand mehr ist,das dichtende Material eingebracht werden. So kann seitliches Wasser nicht mehr unter das Haus gelangen. Die Mittelwand bleibt trocken.

Mineralische Abdichtungen sind frei von chemischen Bestandteilen. Sie bestehen aus definierten Sanden und quellfähigen Tonen. Das Material wird, wie Füllkies, lagenweise verdichtet in die Erde eingebracht. Dazu benötigt es keine Wand. So kann um das Haus herum eine abdichtende Fläche geschaffen werden.

Wenn auch der Boden – vor dem Bau des Hauses – mit einer mineralischen Abdichtung versehen würde, hätten wir keine „Schwarze Wanne“ (Bitumen) oder „Weiße Wanne“ (WU-Beton), sondern eine „Braune Wanne“. Das Prinzip der „Braunen Wanne“ ist älter und bewährter als die moderne Bauchemie.

Die erdölbasierte Bauchemie und der Betonbau haben die „Braune Wanne“ leider weit zurück gedrängt. Das ist aus baukonstruktiven und aus wirtschaftlichen Gründen dumm, denn sie ist deutlich Überlegen im Einbau als auch in der Haltbarkeit. Gleiches gilt für die Ökobilanz oder nur den CO2-Fußabdruck.

Wenn Sie eine konkrete Beratung oder Planung benötigen, stehe ich gerne zur Verfügung (www.olaf-paproth.de).

 

Wie ist ein Sonnenkollektor aufgebaut?

Im vorigen Beitrag wurde erklärt was ein Sonnenkollektor oder ein PV-Modul ist. Ist ein Sonnenkollektor nicht aufwendige, anfällige Hightech?“

Hightech ist eher die Herstellung, die Kollektoren selber nicht – was ich angenehm finde. Es gibt sehr effiziente Vakuumröhren-Kollektoren. Das sind Glasröhren in denen ein Vakuum herrscht zur Wärmeisolierung und den Absorber umschließt. Gleichzeitig gibt es gute Selbstbausysteme, deren Wirtschaftlichkeit keinen Vergleich zu scheuen braucht. Wir nehmen jetzt einen 15 Jahre alten industriellen Flachkollektor auseinander und schauen uns das Bild für Bild an:

  • Der Kollektor, wie wir ihn vom Dach geholt haben.
  • Das spezielle Solarglas ist entfernt und der Absorber wird sichtbar.
  • Er besteht aus je einem Verteiler- und einem Sammelrohr aus Kupfer,
  • dazwischen befinden sich die Absorber, also Kupferrohr mit Absorberblechen.

  • Unter dem Absorber ist eine temperaturbeständige, nicht brennbare Wärmedämmung plaziert.
  • Das Ganze wird in ein Gehäuse, hier eine Wanne aus ABS-Kunststoff, montiert.
  • Das Solarglas ist hagelfestes Sicherheitsglas.
  • In diesem Fall war das Glas mit dem Kunststoffgehäuse und einer Befestigungsschiene unlösbar verklebt. (Ich meine, es gäbe schlauere Bauweisen, bei denen das Glas keine tragende Aufgabe hat, so dass es demontierbar ist. Dadurch wäre es möglich den Kollektor (Absorber) zu reparieren.

Fazit: Ein Flachkollektor ist einfache Lowtech. Auch wenn wir diesen auseinander gebaut haben, hält so Sonnenkollektor in der Regel länger als 15 Jahre.

Es gibt im Ökobuch-Verlag ein klasse Buch, das sehr fundiert beschreibt, wie man eine Solaranlage zur Wärmegewinnung aufbaut. Es hilft auch industriell hergestellte Systeme zu beurteilen. Interessant sind die Hinweise zu Dachintegration. Meist sehen die aufgesetzten Sonnenkollektoren und Photovoltaik-Module architektonisch doch recht bedenklich aus. Das ging besser.