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Muss die Decke wirklich abgekratzt werden?

„Der Maler sagt, dass er die Decke nicht einfach überstreichen will, sondern dass alle alten Schichten entfernt werden müssen. Ist das wirklich nötig?“

Eine Altbaudecke, tapeziert, offensichtlich oft gestrichen. Teiweise löst sich die Tapete. Hier und da Unebenheiten, die auch übersehen werden könnten. Neu tapezieren sollte ausreichen. Doch der Maler will mehr. Warum?

Es ist schon richtig hier misstrauisch zu sein. Der Handwerker hat den Anspruch fachlich anständige Arbeit zu leisten – was wir ja auch erwarten. Das heißt ja nicht, dass immer „ein Rolls Royce“ an die Decke gepinselt werden soll, aber eine Gewährleistungen wir doch schon haben. Schauen wir uns die Decke an und das, was mit ihr gemacht wurde.

-1- Das ausgeräumte Wohnzimmer. Der Boden ist noch nicht abgedeckt.

-2- Tapete entfernen und erste Sondierungen bis zur allerersten Schicht. Es wurden Spachtelschichten auf Dispersionsfarbe auf Spachtelschichten auf Ölfarbe bis hin zur originalen Leimfarbe gefunden. Wer wohl auf die Idee gekommen war, die Decke in dunkelbraun zu streichen?

-3- Hier handelt es sich um eine alte Pliesterlatten-Decke, d.h. an die Holzbalken genagelte, kleine Latten als Putzträger mit Kalkputz. Da sie in der Regel recht fragil sind, wurde keine Schleifmaschine benutzt. Bei den vielen vorgefundenen Schichten wurde auf mehrmaliges Abbeizen verzichtet. Händisches Abkratzen bis zur ersten Farbschicht ist mühsam. Es war hier richtig, um angemessen sorgsam vorzugehen – und ein guter Verdienst für die Abiturientin im Hause.

-4- Erwartungsgemäß traten einige Überraschungen zu Tage. Ansich aber war die hundert Jahre alte Decke noch immer gut in Schuss.

-5- Bevor nun weitergearbeitet werden konnte, wurde die Decke mit diffusionsoffenem Tiefengrund verfestigt. Insgesondere Reste der wasserlöslichen Leimfarbe sollten keine Überraschungen verursachen. Es wäre nicht die erste Deckensanierung, die nach dem zweiten Anstrich wieder herunter gefallen wäre, wenn die aufgebrachte Feuchtigkeit endlich bis zur Leimfarbe durchgedrungen wäre, diese dann anlöste bis sie nicht mehr haftet. Zuerst wurden Versuche gemacht, bevor die komplette Decke behandelt wurde.

-6- Ursprünglichen waren es zwei Zimmer. Deren Trennwand wurde vor Jahrzehnten entfernt. Der so entstandene Deckenanschluss war mit Gipsmörtel und -spachtel auch über die alte Ölfarbe kaschiert – nicht sehr professionell. Hier musste erneut angeglichen werden.

-7- Brauner Spachtel, weißer Spachtel? Gips ist doch üblicherweise weiß, in England auch rosafarben. Nun, es wurde ja auch kein Gipsspachtel verwendet, sondern Lehm-Füll- und Flächenspachtel von zwei verschiedenen Herstellern. Die Farbe spielt dabei keine Rolle. Es gibt braune, weiße und andersfarbige Lehme für alle möglichen Zwecke am Bau.

-8- Das Spachteln wurde mehrlagig ausgeführt. Anschließend wurde die Decke – wieder von Hand – geschliffen. Da der Lehmspachtel relativ weich ist, war das weniger mühsam als zu erwarten wäre. In dem Bild liegt noch Staub in der Luft.

-9- Vor dem Farbanstrich wurde noch einmal grundiert. Es dann wurde mit einer Silikatfarbe zweimal gerollt. Sie hat eine sehr schöne, angehme Farbtiefe und wirkt weniger „aufgeklebt“ als Kunststoffdispersionen.

Soweit so gut, aber was ist nun mit der Frage eingangs? In diesem Fall ist die Antwort eindeutig: Ja, es war nötig. Der Maler hätte nicht gewährleisten können, dass die gesammelten alten Farb- und Spachtelschichten die weiteren neuen tragen würden. Außerdem ist jetzt eine solide Basis für spätere renovierungen geschaffen. Nach rund hundert Jahren darf das auch mal sein.

Eines bleibt noch anzumerken: Natürlich bleibt die Decke eine Altbaudecke. Die laserstrahlgenaue Ebenheit eines maschinell geschliffenen Neubaus lässt sich auf die hier gewählte Weise nicht erreichen. Dazu wäre eine neue Gipskartonkonstruktion nötig. Ob dabei die schönen runden Anschlüsse von den Wänden an die Decke erhalten blieben? In diesen Fall sollte der Charme des Altbaus erhalten bleiben.

Verbessern der Trittschalldämmung einer Altaudecke

„Wie kann ich die Trittschalldämmung einer Altbaudecke verbessern, wenn ich massive, echte Holzdielen und keinen schwimmenden Estrich oder anderen hohen Aufbau haben möchte?“

Das Thema Schalldämmung ist bei Altbaudecken kein triviales Thema. Beschränken wir uns auf die Frage nach dem Trittschallschutz trotz gewünschter Holzdielen. Nehmen wir einmal an, wir haben eine Holzbalkendecke, die noch mit den originalen Dielenbretten belegt ist. Diese sind fest mit den Deckenbalken vernagelt. Eine Trittschalldämmung existiert folglich nicht. In der Regel steht auch nicht unbegrenzt Aufbauhöhe zur Verfügung, weil die Türen nicht gekürzt werden können oder sollen.

Klasse wäre jetzt ein schöner, dicker Wollteppich, aber es sollen massive Holzdielen sein. Das bedeutet auch, dass wir keinen „schwimmenden“ Boden mittels „Klick-Dielen“, also mehrschichtig verleimten Brettern mit einem speziellen Nut-und-Feder-Profil, das keine Unterkonstruktion benötigt, verwenden dürfen. Massive, nicht mehrschichtig verleimte Dielenbretter benötigen eine Lattung als Unterkonstruktion auf der sie sichtbar oder unsichtbar befestigt werden. Das bedeutet mehr Aufbauhöhe. Eine Zwickmühle?

Als massive Diele dient im Bild eine 3-Schicht-Platte. Ich habe gerade kein Stück Diele parat. 3-Schicht-Platten können ein guter Kompromiss sein, wenn Höhe eine Rolle spielt, denn sie benötigen keine Lattung und damit nur 2cm Dämmung.

Eigentlich schon, aber schlaue Leute haben vor vielen Jahren ein Nut-und-Feder-System erfunden, dass aus Holzfaserdämmplatten und dazu gehörigen Latten besteht. Der Trick ist, dass die Latten durch Nut und Feder so gehalten werden, dass sie keinen Kontakt zu dem vorhandenen, alten Boden haben. Die neuen Dielen werden von der Lattung gehalten und liegen flächig auf den Dämmplatten auf.  Damit ist das Prinzip des „schwimmenden Estrichs“ auf den Holzboden übertragen. Gleichzeitig ist kein Hohlraum, der als Resonanzkörper wirken könnte, unter den Dielenbrettern zwischen der Unterkonstruktion entstanden. Die Aufbauhöhe sind ca. 4 cm plus die Dielenstärke.

Wenn die Dielen sichtbar verschraubt werden sollen, können auch einfache Latten und Schrauben, deren Gewinde nicht bis zum Kopf reicht, verwendet werden. Beim Verschrauben wird so die Latte nach oben gegen die Dielen gezogen und liegt nicht mehr auf. Da sich die Latten mit den Dielen bewegen, ist nicht mit Knarren des Holzboden zu rechnen.

 

Schalldämmung bei Holzbalkendecken

„Die Decken meines Altbaus sind Holzbalkendecken. Bis auf die Balken muss der vorhandene Aufbau entfernt werden. Es soll in der Art des Originals neu aufgebaut werden, der Schallschutz und gleichzeitig die Statik verbessert werden. Dazu hätte ich gerne einen Vorschlag.“

Grundsätzlich muss Trittschallschutz von Luftschallschutz getrennt werden. Trittschallschutz verlangt eine federnde Dämmschicht zwischen Bodenbelag und Deckenkonstruktion, also das Prinzip des „schwimmenden Estrichs“. Das können Nass- oder Trockenestrichsysteme sein. Der Luftschallschutz benötigt Gewicht, damit die Deckenkonstruktion nur schwer in Schwingung gerät. Zusätzlich helfen federnd abgehängte Decken, zum Beispiel aus Lehmbauplatten. Insbesondere die Lehmbauplatten mit Schilfrohrkern weisen hier gute Werte auf.

Konkrete Lösungen müssen am Objekt bestimmt werden. Das gilt natürlich ganz besonders, was die statischen Fragen angeht. Dennoch möchte ich hier zwei Vorschläge machen, die ich mehr oder weniger regelmäßig variiere, bei der Altbaumodernisierung als auch beim Neubau.

 

(Verbindliche Garantien kann ich hier natürlich nicht geben, falls die Zeichnungen ausgedruckt und irgendwie genutzt werden.)

Auch, wenn hier Beispiele aus dem Lehmbau gezeigt werden, gelten die angewandten Prinzipien ebenso für andere Baustoffe.