Archiv der Kategorie: Nachhaltiges Bauen

Alte Elektroleitungen

„Was ist hier passiert? Wir haben die Tapeten entfernt, Löcher gefüllt und anschließend grundiert. Schon wärend des Aufbringens des Feinputz haben sich die Linien abgezeichnet.“

Die untere Linie führt geradewegs horizontal zur Steckdose rechts. Also wird hier das Kabel eingeputzt sein. Es zeichnet sich vermutlich deshalb ab, weil der Kabelschlitz nicht mit dem originalen Kalkputz, sondern mit Gipsputz gefüllt wurde. Das unterschiedliche Saugverhalten kann die Grundierung hier nicht vollständig ausgleichen.

Die Wand ist grundiert, Es ist noch nichts zu erkennen
Nach dem Aufbringen des Lehmputz und einer Nacht trocknen

Die obere Linie kommt von rechts oberhalb der Steckdose. Dort muss es einmal Dose gegeben haben. Dass dieser Schlitz allerdings links spontan nach oben abknickt, ist nicht ordnungsgemäß. Bei Verputzen der linken Wand wurde die Fortsetzung, in gleicher Weise abenteuerlich, sichtbar.

Soweit die Bauforschung. Die sollte bei der Altbausanierung aber stets parat stehen. Falls auf einer solchen Leitung wider Erwarten doch Spannung anläge, könnte das bekanntlich böse Folgen haben. Folglich wurden Anfang und Ende der Leitung gesucht und überprüft.

Über Pusch dieser Art können ganze Oper gesungen werden, Lieder reichen nicht da mehr. Es ist mir immer wieder unbegreiflich was für ein Schindluder so getrieben wurde, auch von Profis. Das – aus meiner Sicht – schlimme ist, dass sich das wenig geändert hat. Ich will wirklich niemand zu nahe treten. Sinn des Beitrags? Nutzt solche Gelegenheiten, wenn Unsichtbares sichtbar wird.

Ach ja, wieso ist die Grundierung Gelb und der Feinputz braun? Weil mit Lehmputz gearbeitet wurde und der passenden, körnigen – in diesen Fall gelben – Grundierung. Und warum gerade Lehmbaustoffe? Nun, sie sind in puncto Raumklima, Verarbeitbarkeit, Altbautauglichkeit und, nicht zuletzt, Nachhaltigkeit kaum zu schlagen. Mehr dazu bei den Lehmbau-FAQs.

Nachhaltiges Bauen vom Bund gefördert?

„In 2021 wird die neue „Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)“ in Kraft gesetzt. dort soll es auch eine Förderung von Gebäuden geben, die eine Nachhaltigkeitszertifizierung vorweisen kann. Wann soll das geschehen und was soll das bedeuten?“

Das kann noch nicht beantwortet werden, denn es scheint aktuell weder klar, wann genau das neue BEG in Kraft treten wird und was „Nachhaltigkeit“ hier bedeuten soll. Die kfw-Bank meldet auf Ihrer Webseite, dass ab 01.07.2021 Anträge für die BEG gestellt werden können.

Das Informationsportal Nachhaltiges Bauen des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat schreibt: „Nähere Informationen zu den Nachhaltigkeitszertifizierungen werden hier veröffentlicht, sobald diese erstellt und abgestimmt wurden.“ Die Seite bietet auch FAQs mit vielen Antworten aus erster Hand.

Fazit: Nix genaues weiß man nicht – noch nicht. Wir werden das Thema beobachten.

Bis dahin bleiben die Förderprogramme der kfw-Bank erhalten.

Altbau vs. Passivhaus

„Kann ich meinen Altbau so sanieren, dass er hinterher ein Passivhaus ist?“

Warum nicht? Wie immer kommt es auf das Haus an, aber das wissen wir ja. Richtig ist, das es falsch ist, zu behaupten, es sei grundsätzlich unmöglich. Hier ein schon einige Jahre altes Beispiel: ein Dreifamilienhaus, dessen Dach ausgebaut wurde, komplett neue Haustechnik mit thermischen Solaranteil, recht dicker Außendämmung und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung erhalten hat – kurz, das volle Programm.

Mit Hilfe von Fördergeldern blieb die Fianzierung im Rahmen. Heute sind die Förderbedingungen deutlich besser als damals. Es lohnt sich sich hier gründlich zu informieren. Eine vernetzte, interdisziplinäre Planung ist bei solchen Vorhaben nötig. Es reicht sicher nicht aus, sich nur Handwerkerangebote einzuholen und einen Energiebrater für die Berechnungen für die Förderanträge zu beauftragen. Ein wenig mehr Enthusiasmus und Ergeiz ist von allen Beteiligten schon nötig. Warum sollte sich das nicht lohnen?

Wir können an dem Beipiel aber auch die Grenzen der Außendämmung sehen. Sie ist zwar gut gemacht, hat sich an das Original gehalten. Dennoch sind die Fensterleibungen nun schon recht tief. Bei einer anderen Architektur könnte man vertreten, die Leibungen etwas abzuschrägen. Hier wäre das zu fremd. Irgend einen Kompromiss muss man immer machen.

Was heißt das jetzt? Wieder einmal: Pauschalurteile sind wenig hilfreich. Ebenso, einfach irgend etwas machen ohne die Zusammenhänge zu betrachten. Man kann es nicht oft genug sagen. Allein die Perspektiven der Fördermöglichkeiten von kfw-Bank und bafa sind Motivation genug.

Fenster austauschen oder Reparieren?

„Das Fenster lässt sich nicht öffnen ohne, dass es aus den Angeln fällt. Muss ein neues eingebaut werden?“

In diesem Fall hat das Fenster einen Drehkipp-Beschlag. Das Kippen funktioniert, soll aus Energiespargründen aber nur selten genutzt werden. Bei der normalen Drehöffnung springt das Fenster aus der oberen Halterung des Beschlages. Es fällt an der Stelle nach vorne als würde es gekippt werden und droht gänzlich herauszufallen.

Die Antwort des angerufenen Fensterbauers nach der Bitte um Reparatur, nach ausführlicher Beschreibung auch mit Hilfe von Handyfotos, lautete: „Das lohnt sich nicht. Es kommen zwei Monteure, schauen sich das an, fahren wieder zurück, bestellen das Ersatzteil, kommen wieder, um es einzubauen. Kosten: 250,- bis 350,- €. Das ist ja schließlich ein Holzfenster und 15 Jahre alt. Bauen Sie lieber ein neues Kunststoffenster ein und sparen sie die Reparaturkosten.“

„Wie jetzt? Da ist etwas am Beschlag kaputt und ich soll ein neues Fenster einbauen??“

Manchmal ist das sicher richtig. Aber vorher sollte bitte genau hingesehen werden, wie hier dann geschehen. Der Fachmann wurde nicht beauftragt, sondern selbst Hand angelegt.

Der Axerarm (siehe Fotos) springt beim bewegen aus einem „Pin“ und verliert seinen Halt. Warum? Weil er nach oben verbogen ist. Das Blechteil könnte einfach bestellt und ersetzt werden. Ja, es gibt die Ersatzteile beim Hersteller. Allerdings ist die Größenbezeichnung so angebracht, dass der Arm ausgebaut werden muss, um sie abzulesen. Hm, dann kann man doch gleich versuchen den Arm gerade zu biegen? So wurde es gemacht. Das Fenster funktioniert wieder einwandfrei. Das Alles hat knapp eine halbe Stunde gedauert. Es war nur eine Person nötig.

Sicher können dafür keine fünf Jahre Gewährleistung gegeben werden. Das hat aber auch niemand verlangt. Warum war der Arm verbogen? Vermutlich weil das Fenster eine Zeit lang geklemmt hat und mit Kraft zugedrückt wurde, anstatt den gesamten Beschlag regelmäßig zu ölen. Auch das ist behoben. Das Fenster wird noch einige Jahre gut funktionieren.

Exkurs zum Thema Nachhaltigkeit: ökologisches und wirtschaftliches Handeln deckt sich wieder einmal. Der Fensterbauer dagegen hat einen Kunden verloren, auch für den Fall, dass eine Reparatur einmal nicht so leicht ist wie dieses Mal. Ich mag diese einfachen Beispiele, denn sie zeigen so schön , wie einfach Nachhaltigkeit sein kann.

Welchen Boden im Jahrhundertwendehaus?

„Schlagen Sie uns doch einmal einen Bodenbelag für unsere Wohnung im Obergschoss unseres Jahrhundertwendehauses vor.“

Wir haben ein Haus der Jahrhundertwende, also Holzbalkendecken. In der Regel ist zwischen den Balken Schlacke oder ähnliches eingebracht. Darüber bilden Dielenbretter mit „Ochsenblut“ gestrichen den ursprünglichen Boden. Die Decke im Geschoss bestehen aus mit Kalk verputzten Pliesterlatten. Der Schallschutz ist mäßig. Wenn daran nichts grundsätzlich verändert werden soll, bleiben eigentlich fast alle üblichen Bodenbeläge. Zu beachten ist, dass die alten Holzbalkendecken recht deutlich schwingen. Fliesen würden ohne weiteren Aufbau brechen.

Aus Schallschutzgründen würde ich einen guten, nicht zu dünnen Wollteppichboden empfehlen. Trittschall wird damit gut gedämmt und auch Luftschall wird reduziert. Wollteppiche wirken im Gegensatz zu Kunstfaserteppichen zusätzlich Raumklima ausgleichend.

Falls Teppich nicht in Frage kommt, sind Linoleum und Kork gute Alternativen. Kork ist auch bestens für Bäder geeignet, nicht nur weil er angenehm warm an den Füßen ist. Man sollte darauf achten, dass der Kork geölt ist und nicht mit einer Kunststoffschicht „versiegelt“. Letzteres gilt ebenfalls für Holz, z.B. Dreichschicht-Parkett, das hier schwimmend verlegt würde. Die Haptik und die guten raumklimatischen Eigenschaften bleiben so erhalten.

Es gibt wirklich viele Möglichkeiten. Die gestellte Frage lässt sich so pauschal nicht gut beantworten. Ach ja, Laminat lehne ich grundsätzlich ab. Holzimitat aus Papier und Kunststoff, hart, laut, kalt, gehört nicht in ein Jahrhundertwendehaus – eigentlich nirgendwohin. Die billigen sehen nach nur fünf Jahre unansehnlich aus. Für die teuren gibt es guten Ersatz.

Schauen wir uns ein Beispiel an: Vorgefunden haben wir einen Raum mit einem bestimmt 35 Jahre alten Linoleum-Belag (s.o.). Dass der inzwischen nicht mehr schön war, sei verziehen. Man hätte ihn tatsächlich noch fein anschleifen und ölen können, muss man aber nach so langer Zeit nicht. Also haben wir ihn entfernt und eine Lage Spanplatten vorgefunden.

Um zu wissen, wie es darunter ausschieht, haben wir ein Stück Spanplatte herausgesägt, so dass wir es wieder einbauen konnten. Gefunden haben wir eine intakte Mineralwolltrittschalldämmung (was ein Wort). Eigentlich mag ich Spanplatten und Mineralwolle auch wieder nicht. Ich mag aber auch keine Geldverschwendung. Funktionierendes wegwerfen, nur weil es alt ist, ist sicher nicht im Sinne der ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit. Darunter kamen die oben genannten, ursprünglichen Dielen zum Vorschein.

Wir haben uns dann entschieden nur den alten Belag auszuwechseln. Weil Kork an dieser Stelle farblich gut zur geplanten Einrichtung und Nutzung als Herrenankleide passt und gleichzeitig fußwärmer als neuer Linoleum ist, wurde sich für ihn entschieden. Die Struktur des Kork macht den Belag unempfindlich gegen sichtbaren Schmutz. Mit einem guten Natur-Hartöl geölt, lässt er sich bestens staubsaugen und aufwischen. Wenn es in zehn / fünfzehn Jahren nötig ist, kann der Korkboden geschliffen und neu geölt werden.

 

Thermische Solarenergienutzung

„Wie und wo wird Sonnenenergie für den Wärmebedarf im Haus nutzbar gemacht?“

Beginnen wir (wieder einmal) ganz vorne. Es wird unterschieden zwischen der „passiven“ und der „aktiven“ Solarenergienutzung. Die „passive“ ist ein architektonisches Thema. Hier wird das Gebäude so entworfen, dass es in den kühlen bis kalten Monaten angemessen viel Sonne einfängt, um den Einsatz einer Heizung so weit wie möglich unnötig zu machen. Im Sommer soll das nicht sein, damit auf eine Kühlung verzichtet werden kann.

Solararchitektur müsste im Neubau eigentlich längst Standard sein. Warum das nicht so ist, weiß ich wohl, kann ich aber nicht nachvollziehen. Im Altbau ist das eher etwas schwieriger, dennoch lohnt es sich auch hier, einen versierten Solararchitekten anzusprechen. Ok, jetzt haben wir ein Problem. Geben Sie Ihrem Architekten / Energieplaner das folgende Buch aus den 1960er Jahren, aktualisiert 2015, zu lesen. Da steht alles drin. Völlig richtig heißt der Titel nicht „Energiesparendes Bauen“, sondern „Klimagerechtes Bauen“.

 

Zurück zur Frage. „Aktive“ Solarenergienutzung ist prinzipiell an nahezu jedem Haus möglich. Hier ist gemeint, dass Sonnenwärme mittels eines wasser- oder luftführenden Kollektorsystems geerntet und nutzbar gemacht wird. Das kann sowohl für die Brauchwassererwärmung als auch für die Raumheizung sinnvoll sein. Schauen wir uns ein beispielhaftes Schema an. Hieraus lassen sich diverse, individuelle Varianten ableiten, bis hin zum Nullenergie-Haus (in Kombination mit der o.g. passiven Nutzung der Sonne.) Solare Brauchwassererwärmung hat regelmäßig einen Jahresdeckungsgrad von 75 %.

Wie funktioniert das? Solarwärme wird in Sonnenkollektoren (S) gewonnen und in einem Pufferspeicher (P) gespeichert. Von dort wird die Wärme zur Raumheizung in die (Flächen-)Heizkörper (H) geleitet. Über eine, mit dem Pufferspeicher verbundene, Frischwasserstation (F) wird Brauchwasser für Bad und Küche hygienisch erwärmt. Fehlende Wärme wird durch eine Zusatzheizung (Z) dem Pufferspeicher zugeführt. Das zentrale Element der thermischen Nutzung von Sonnenenergie ist der Pufferspeicher.

Es gibt noch viel zum Thema zu sagen. Für heute soll das Prinzip der thermischen Solarenergienutzung ausreichend beschrieben sein.

Hier noch zwei verwandte Fragen und Antworten:
Was ist ein Sonnenkollektor?
Wie ist ein Sonnenkollektor aufgebaut?

 

Gründach = Hitzeschutz?

„Sie propagieren doch Gründächer auch immer mit dem Argument „Hitzeschutz“. Aber das ist doch Unsinn. Als wenn es darauf ankäme.“

Mit Verlaub, das ist kein Unsinn. Anstatt nun eine lange Liste mit Fachliteratur von vor 35 Jahren bis heute anzuführen, die die Grundlage für meine Thesen sind, machen wir es konkret. Mit dem Beitrag „Gündach – einfach machen“ hatte ich ja am Beispiel eines kleinen Erkerdaches an unserem Haus gezeigt, wie es geht ein Gründach zu bauen. Inzwischen ist das Dach einige Wochen alt – und es ist Sommer geworden.

Letztes Wochenende habe ich die Temperaturen auf der Straße, im Garten und auf dem kleinen Gründach gemessen und, weil es gerade erreichbar war, auch die der grauen Dachpfannen des Geräteschuppens. Schaun wir mal:

Ich denke, die Zahlen sprechen für sich. Jetzt stellen wir uns einmal vor, die Dächer sähen nicht so aus, wie das hier, oben gezeigte Flachdach, und auch die Vorgärten nicht so, sondern wären wirklich grün (nicht nur mit kurz geschnittenem, trockenem Rasen), dann hätte das Auswirkungen auf die Überhitzung der Städte, den Einsatz von Klimaanlagen, die CO2-Frage… Unser junges Gründach ist noch nicht fertig und doch zeigt es schon die besten Temperaturwerte der Tabelle. Es ist nur extensiv begrünt, also mit minimalem Substrataufbau. Da geht noch viel mehr. Die erwähnten Dachpfannen, übrigens, waren 50 Grad warm, mehr als das doppelte des Gründaches.

Den Test kann jeder machen. Es braucht nur ein Oberflächenthermometer aus dem Baumarkt. Sie sehen, Sie brauchen mir nicht glauben.

Damit Sie wissen wovon wir reden, hier die Fotos der Messtellen:

und die Klimadaten vom Tag (www.windy.com):

Um wissenschaftlich präzise zu sein, bedürfte es längerer Messreihen. Das ist längst Schnee von gestern. Es geht mir hier um das Erleben. Dafür brauchen sie an einem sonnigen Tag nur auf eine baumlose Straße oder Freifläche treten und danach in einen Park. – Jetzt sind Sie dran: fangen Sie mir Ihrer Garage an und beweisen mir, dass ich Unsinn rede.

 

Gründach – einfach machen

„Warum stoße ich regelmäßig auf Widerstand, wenn ich die Begrünung von Flach- und flachgeneigten Dächern vorschlage? Warum ist das nicht eine Vorschrift zur Verbesserung des Stadtklimas?“


Rückbau eines alten Bitumendaches (Sondermüll). Es bekam eine EPDM-Folie und Begrünung.

Die Frage kann ich nicht beantworten. Mir ist das unbegreiflich. Überall werden Flachdächer gebaut – Häuser „im Bauhausstil“ – und deren Dächer werden nicht begrünt. Dafür werden die Vorgärten mit Folien und grauem Schotter „gestaltet“. Fertiggaragen haben noch immer keine Gründächer als Standard usw. usw.. Dabei ist es so einfach.

Gründächer sind langlebiger, bieten einen besseren sommerlichen Wärmeschutz, verbessern das Mikroklima. Photovoltaik-Anlagen haben eine besser Effizienz, da das Dach, auf dem sie montiert sind, die PV-Module nicht unnötig aufheizt. Wurzelfeste, einlagige EPDM-Folien haben eine garantierte Lebensdauer von 30 Jahren bzw. nachgewiesenen 50 Jahren. Es bedarf keiner aufwendigen Dachaubauten mit mehrlagigen Bahnen und aufwendigem Substrataufbau. Die wären zwar nicht falsch, aber nicht unbedingt nötig. Es geht auch einfach. Das ist das Thema heute.

Wir haben in den letzten Wochen ein kleines Flachdach auf einem Erker begrünt. Aus dem Treppenhaus schauen wir immer drauf. Es ist viel hübscher jetzt – im Gegensatz zum Dach von Nachbars Gartenhaus, das die Tage in Brand stand.

Um es gleich zu sagen: Das, was wir hier im Kleinen getan haben, funktioniert im Großen genauso.

   
Das Dach des Erkers / Blähton / Die am Stück gelieferte EPDM-Dachfolie / Komposterde

   
   
Auslegen und anpassen der wurzelfesten, UV-beständigen EPDM-Folie. Zur Wasserhaltung haben wir ringsum eine kleine Aufkantung eingebaut.

   
Den frischen Kompost eigener Herstellung haben wir mit Blähton abgemagert und so eine bessere Wasserhaltung erreicht. Weil nach dem Aussähen der Gräsermischung bald die Tauben kamen, haben wir den Kaninchendraht ausgelegt bis er nicht mehr nötig ist. Die Randbohle ist nicht nötig. Da wir hier aber keinen Kiesstreifen haben wollten, boten sich diese Holzreste an. Sie dürfen verrotten. Bis dahin hält das Wurzelwerk den Boden zusammen.


Das neue Gründach zweieinhalb Wochen nach der Aussaat. Bauzeit insgesamt: gemütliche 8 Stunden inklusive Holzlatten suchen, Kompost im Garten beschaffen, die 50 Jahre alte Teppichschere wieder finden…

 

Holzfenster?

„Immer wieder taucht der Wunsch nach Kunststoffenstern auf. Begründet wird dieser meist nur mit der pauschalen Aussage, Kunststoffenster seien besser als Holzfenster. Dabei  sind Sie aber schon allein aus haptischen und optischen Gründen eher dritte Wahl. Was tun für eine sachliche Diskussion?“

Holzfenster, historisches Profil, Lasur-Anstrich, EnEV-konform

Warum Kunststoffenster, genauer PVC-Fenster, kritisch zu betrachten sind, wird bei Wikipedia hinreichend beschrieben. Hier sei nur ihre Nachhaltigkeit infrage gestellt – und ihr architektonischer Wert. Holzfenster sind in diesem Zusammenhang kaum zu schlagen.

Ich halte Kunststoffenster im Wohnungsbau grundsätzlich für überflüssig, denn fachgerecht hergestellte und eingebaute Holzfenster stehen guten Kunststoffenstern nicht nur in Nichts nach, meist sind sie insgesamt die Besseren – insgesamt = in der Gesamtbilanz aller Qualitätsmerkmale. Soll der Pflegeaufwand minimiert werden (Das ist der einzige, mir bekannte Grund, für die obige Pauschalaussage), bieten sich Holz-Aluminium-Fenster an. Deren Preis ist heute nur wenig teurer und armortisiert sich in kurzer Zeit.

Wir wollen an dieser Stelle aber keine Abhandlung über PVC, Holz oder Aluminium in Form von Fenstern diskutieren, sondern ein paar einfache, praktische Hinweise geben, wann ein Holzfenster funktioniert und wann nicht. Die Aufzählung ist auch nicht vollständig. Sie ist dafür gedacht, die weit verbreitete Engstirnigkeit im Umgang mit dem Thema zu erweitern und den Fokus auf handwerklich saubere Arbeit zu lenken.

Holzfenster, Südwest-Ausrichtung, 30! Jahre alt (die Schwarz-Weiß-Darstellung zeigt die Fehler besonders gut)

Bei diesem Fenster sind einige grundlegende konstruktive Fehler zu sehen:

Das „Dachschindelprinzip“ wurde nicht eingehalten. Ein Wetterschenkel am Flügelprofil fehlt. Statt dessen wurde das Regenwasser in eine Rinne im Blendrahmen geleitet. Von dort soll das Wasser durch eine einzige Öffnung wieder austreten. Die Rinne im Innern des hölzernen Rahmens weist kein Gefälle zur Entwässerungsöffnung hin auf. Wie soll hier – geplant eindringendes – Wasser vollständig abfließen? So, wie es ist, bleibt immer Wasser/Feuchtigkeit stehen. Was hat Regenwasser überhaupt IN einem Fensterrahmen zu suchen? Richtig, nichts. Der klassische Wetterschenkel unserer Großväter wäre hier richtig gewesen.

Nächster Fehler: Keine Tropfkante zur Fensterbank, sondern bündiges ansetzen. Herunterlaufendes Wasser kriecht hier in die Fuge und hält den Blendrahmen feucht. Der sollte aber möglichst zügig trocken können.

Gleiches gilt analog für die senkrechte Leiste des Blendrahmens links. Sie ist nicht mit dem waagerechten Profil verleimt. Es bildet sich eine Fuge, in die Wasser eindringt. Den Rest zeigt das Bild.

Die mittlere senkrechte Anschlagleiste ist unten waagerecht anstatt schräg abgelängt. Dadurch bleiben immer Wassertropfen hängen. Die Feuchtkeit kann in das Hirnholz eindringen.

Die untere, waagerechte Abschlussleiste wurde nach dem Einbau angesetzt. Der Ansatz an den Blendrahmen wurde mit Acryl abgespritzt, weil der Ansatz nicht fachgerecht ausgeführt wurde. Es entstand eine Fuge, durch die Wasser hinter die Leiste gerät – durch die Risse im Acryl auch.

 

Zurück zum Dachschindelprinzip: Hier ist dem entgegengesetzt gearbeitet worden. Das Holzfenster wurde ähnlich wie Kunststoffenster konstruiert. Für die ist es zwar auch nicht intelligent, Wasser durch den Rahmen zu führen, aber möglich. Für dieses Holzfenster muss festgestellt werden, dass sein Fensterbauer keine Ahnung von Holz hatte. Ein einfacher Wetterschenkel, der über die untere Anschlussleiste reicht, hätte das Fenster robuster gemacht. Wetterschenkel können so konstruiert werden, dass sie sich leicht austauschen lassen. Das verlängert die Lebensdauer des Fensters noch einmal.

So ist es fast erstaunlich, dass das Fenster tatsächlich inzwischen 30 Jahre alt ist und ansich bestens funktioniert. Es ist dicht, stabil und sicher. Ermöglicht hat das der richtige Anstrich. Anstatt, wie früher oft üblich, das Fenster mit einem Lack anzustreichen, wurde eine offenporige, pigmentierte, UV-stabile Naturöl-Farbe verwendet, sowohl für den Erstanstrich als auch für die Folgeanstriche. Die Bilder zeigen den Anstrich von vor 8 Jahren. Es ist eine sonnenbeschienene Wetterseite.

Also, wir haben festgestellt, dass der Werkstoff Holz seine Regeln hat. Ein Handwerksmeister kennt seine Materialien und hält sich an die Regeln.

 

Müssen es immer Silikonfugen sein?

Auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit:

 

Der Holzdielenboden des Jahrhundertwendehauses ist original. Es sind tatsächlich die ersten Dielen, die hier eingebaut wurden. Sie haben ihre Spuren erhalten, aber dazu in einem anderen Beitrag. Hier geht es um die Fuge zwischen den später eingebauten Fliesen vor der Küchenzeile und den besagten Dielen. Im Laufe der Geschichte war hier eine „Matschepampe“ eingebaut worden, die seit geraumer Zeit nicht mehr dauerelastisch war, dafür ziemlich unansehnlich. Sollte wieder ein dauerelastisches, spritzbares Material in die Fuge, Silikon oder so?

Bei der Größe der Fuge von 10 – 12 mm wäre Spritzkork möglich, aber der würde optisch auffallen. Einen Streifen Kork, so wie er in Dehnungsfugen bei großen Parkettflächen verwendet wird, könnte man auch einpassen. Doch er fällt auch auf: Kork zwischen Dielen und Fliesen – hm.

Die letztlich sogar einfachste Möglichkeit war eine simple Holzleiste. Mit etwas Schleifen und einseitig Holzleim, war sie ebenso zügig eingebaut, wie der erwähnte Spritzkork – oder gar der sprichwörtliche „Handwerkertrost“ Silikon. Mit der Auffrischung der Dielen kam die farbliche Annäherung. Den Rest übernimmt die Sonne.