Archiv der Kategorie: Beratung

Nachhaltiges Bauen vom Bund gefördert?

„In 2021 wird die neue „Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)“ in Kraft gesetzt. dort soll es auch eine Förderung von Gebäuden geben, die eine Nachhaltigkeitszertifizierung vorweisen kann. Wann soll das geschehen und was soll das bedeuten?“

Das kann noch nicht beantwortet werden, denn es scheint aktuell weder klar, wann genau das neue BEG in Kraft treten wird und was „Nachhaltigkeit“ hier bedeuten soll. Die kfw-Bank meldet auf Ihrer Webseite, dass ab 01.07.2021 Anträge für die BEG gestellt werden können.

Das Informationsportal Nachhaltiges Bauen des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat schreibt: „Nähere Informationen zu den Nachhaltigkeitszertifizierungen werden hier veröffentlicht, sobald diese erstellt und abgestimmt wurden.“ Die Seite bietet auch FAQs mit vielen Antworten aus erster Hand.

Fazit: Nix genaues weiß man nicht – noch nicht. Wir werden das Thema beobachten.

Bis dahin bleiben die Förderprogramme der kfw-Bank erhalten.

Beratung

Die Altbau-FAQs können nur Hinweise geben und Erfahrungen berichten zu einzelnen Fragen des Sanierungsprozesses. Eine zusammenhängende Beratung für Ihr konkretes Vorhaben ersetzen sie nicht. Den Anfang sollten fachlich versierte, mit Altbauten vertraute und vor allem neutrale Stellen machen.

In Aachen und der Städteregion Aachen steht dafür der gemeinnützige Verein altbau plus e.V. zur Verfügung. Er bietet kostenlose Erstberatung, „Inititalberatung“, in Form von Vorträgen, Sprechstunden und Veranstaltungen. Die Berater des Vereins sind erfahrene Architekten und Ingenieure.

Sanierungstreffs – monatliche Vorträge zu aktuellen Themen

Sprechstunden – individuelle Beratung

Veranstaltungen – Messen, Ausstellungen, Tagungen

Bei der Sanierung eines Hauses – einer Wohnung, eines Büros, einer Praxis, einer Werkstatt etc. – müssen eine Reihe unterschiedlicher Gewerke ihren Zuamenhängen betrachtet werden. Fachingenieure wie Statiker und Energieberater und Handwerker sind spezialisiert auf ihr Gewerk. Auch, wenn sie einige Erfahrung haben, gehört es nicht zu ihren Aufgaben alle Gewerke ganzheitlich zu planen und zusammen zu bringen. Fehler, die bei solcher Art Planung entstehen mögen, sind unter Umständen nicht von deren Berufshaftpflichtversicherungen gedeckt. Dann haben Sie, als Bauherren, ein Problem. Es erscheint logisch, sich an die Fachleute für das Gesamte zu wenden.

Klassischer Weise sind das Architekten. Sie sind, gemäß der Statuten der Architektenkammern, unabhängig von den Auftragsvergaben an Handwerker oder Produktlieferanten. Ein Akquisitionsgespräch im Büro des Architekten oder auch vor Ort ist in der Regel kostenlos für Sie als Bauherren. Alles, was darüber hinausgeht, muss selbstverständlich angemessen bezahlt werden. Die Architektenkammern erläutern Ihnen das gerne, z.B. die aknw in Nordrhein-Westfalen.

 

Was ist ein „Altbau“?

„Ist ein Haus aus den 1990er-Jahren ein Altbau, wenn es top gepflegt ist?“

Nun, wir schreiben das Jahr 2020. Ein Haus aus dem letzten Jahrtausend ist mit Sicherheit ein Altbau. Man könnte es handhaben wie mit Autos. Ein Neuwagen, der einmal zugelassen war, oder auch nur ein paar Tage benutzt wurde, ist keiner mehr. Eine amtliche Definition gibt es nicht. Die halte ich auch nicht für nötig. Letztlich spielt es keine Rolle wie alt ein Haus ist. Alte Häuser sind nicht selten besser Nutzbar als gerade gebaute.

 

Viel interessanter für die Nachhaltigkeit ist doch die Frage, ob das Haus „neuwertig“ ist. Worauf bezieht sich das? Erst einmal ist das einfach: Es muss alles am Haus optisch und technisch so beschaffen sein, als wäre es gerade erst mängelfrei fertiggestellt. Gleichzeitig muss es aber auch den heute aktuellen Standards entsprechen.

Es drängt sich sofort die Frage nach der Energiebilanz auf. Die Ansprüche hierbei sind in den letzten Jahren bekanntlich und aus guten Gründen deutlich gestiegen. Das werden sie weiter tun. Bis zum Jahr 2050 soll der gesamte Gebäudebestand CO2-neutral sein. Schnell wird so ein heute gebautes Haus zum „Altbau“, wenn nicht weitsichtig geplant wird.

   

Hinzu kommen auch immer mehr Fragen zur Nachhaltigkeit der verwendeten Baukonstruktionen und Baustoffe. Polystyrol z.B. müsste wohl als Sondermüll entsorgt werden, wenn erfolreiche Lobbyarbeit dies nicht vor wenigen Jahren verhindert hätte. Das gilt aber sicher auch für andere Baustoffe (PVC-Fenster, Laminate, Kunststoffe, Anstriche und einiges mehr). Wir wollen hier gar keinen einzelnen schlechter machen als er ist, sondern auf das Thema aufmerksam machen.

   

Für mich als beratender Architekt ist jedes benutzte Haus, das mehr als einen Renovierungsanstrich nötig hat, ein „Altbau“ und gleichzeitig mindestens der aktuell gültigen Energieeinsparverordnung EnEV entspricht. Für die planerische Arbeit spielt es keine Rolle ob ein Haus 10 oder 100 Jahre alt ist. Ein Unterschied macht es, ob es unter Denkmalschutz steht oder in seinem Charakter besonders erhaltenswert ist.

Das Thema „Altbau“ ist vielfältig. Dabei darf der Fingerzeig natürlich nicht fehlen: Entscheident für eine nachhaltige Werterhaltung ist der Blick auf die Zusammenhänge. Ein Gebäude ist ein System und keine Ansammlung von Einzelteilen. Zwei Beispiele:

  • Eine Fassade ist schnell neu angestrichen. Üblicher Weise ist damit die Chance für eine bessere Wärmedämmung für die nächsten 10 bis 15 Jahre verspielt. Weil auch neue Tapeten kamen, ist die Möglichkeit der Innendämmung auch verspielt…
  • Eine Heizung („Brenner“) ist ebenfalls schnell erneuert. Wenn das Haus danach gedämmt wird, ist die Heizanlage überdimensioniert, also ineffizient…

Dies Zusammenhänge des gerade zu bertrachtenden Altbau jedes Mal neu zu erkunden, macht den Spaß daran aus. Und natürlich gibt es auch hier Routienen, so dass nicht ständig das Rad neu erfunden werden muss.

Machen Sie sich schlau, lassen Sie sich beraten, damit Sie die richtigen Fragen stellen können, bevor Sie Aufträge vergeben.