Archiv der Kategorie: Bauteile

Wärmepumpe im Altbau?

„Ein schlecht gedämmter Altbau, eine Öl- oder Gasheizung, alte Heizkörper, eine hohe Vorlauftemperatur des Heizwassers. Die Heizung muss ausgetauscht werden. Kann hier eine Wärmepumpe angeraten werden?“

Eine Frage, die uns auch zum Thema „Wandflächenheizung“ führt, aber fangen wir vorne an: Pauschal ist die Frage eher ungenügend zu beantworten, wie meistens bei Altbauten. Sicher wäre es am besten zuerst alle möglichen Dämmaßnahmen auszuschöpfen. Gehen wir hier aber davon aus, dass es gute Gründe gibt dies nicht zu tun. Denkmalschutz der Fassade könnte ein solcher Grund beispielsweise sein.

Eine Wärmepumpe benötigt eine möglichst geringe Vorlauftemperatur des Heizkreislaufs, um optimal zu funktionieren. Inzwischen gibt es zwar effizientere Wärmepumpen, die auch bei höheren Vorlauftemperaturen eingestzt werden können, dennoch bleibt es grundsätzlich beim gesagten. Auch bietet sich das Einbinden einer thermischen Solaranlage dann an.

Wandheizung aus VPEC-Rohr über Schilfrohrputzträger vor dem Verputzen mit Lehmunterputz neben Lehmtrockenbauplatten

Wie können niedrige Vorlauftemperaturen im Altbau erreicht werden? Ja richtig, durch Wärmedämmung. Das hatten wir jedoch bereits ausgeschlossen. Es bleibt die Möglichkeit, die Heizflächen zu vergrößern, also anstatt von verhältensmäßig kleinen, warmen Heizkörpern möglichst große Heizflächen einzusetzen. Gleichzeitig wird der Strahlungswärmeanteil durch diese Art der Heizflächen erhöht. Konvektion wird reduziert, weniger Staub wird im Raum verwirbelt.

Strahlungswärme wird vom Körper deutlich besser aufgenommen als warme Luft. Es ist behaglicher, einen Raum mit relativ kühler Lufttemperatur bei gleichzeitig hohem Anteil an Wärmestrahlung zu beheizen, als umgekehrt. Letztlich geht es darum zu verhindern, dass die Körper der Nutzer eines Raumes die Wände, Boden, Decke und Möbel anstrahlen, sondern einen ausgeglichenen Strahlungshaushalt zu erreichen. Das „Kalte-Füße-Syndrom“ im Erdgeschoss eines Jahrhundertwendehauses beschreibt, wie es nicht sein soll, oder auch das „Kalter-Hintern-Syndrom“, wenn sich auf einen Ledersessel niedergelassen wird.

Große Heizflächen lassen sich mittels Fußboden-, Wand- und Deckenheizflächen erreichen. Die Fußbodenheizung kennt ja im Prinzip jeder: Im Estrich des Bodens befinden sich Heizwasser führende Rohre. An Wänden und Decken gilt analog das gleiche, nur umschließt hier, an Stelle des Estrichs, Wand- bzw. Deckenputz die Rohre.

Wieder VPEC-Rohr, hier vor gestapelten Lehmsteinen (sommerlicher Wärmeschutz)

Die Rohre bestehen entweder aus VPEC (einlagige Kunststoff „Schläuche“), aus Verbundmaterial (Kunstoff-Metall-Kunststoff) oder aus Kupfer. Letzteres wird eher selten verwendet.

Als Putz kommen gut wärmeübertragende Mörtel zum Einsatz, die gleichzeitig die Wärmespannungen der warmen und kalten Phasen der Heizung gut verkraften können. Das sind Lehm- und Kalkputze (ohne Zementzusätze!). Solange keine besonderen, weiteren Anforderungen an den Putz gestellt werden, wie zum Beispiel in Spritzwasserbereichen von Duschen, sind Lehmputze die richtige Wahl und nicht zu schlagen.

Hier wurde die Wandflächenheizung absichtlich von der übrigen Putzfläche abgesetzt

Aus gesundheitlicher Sicht wird zuerst die Wandheizung bevorzugt, weil hierbei die angestrahlte Fläche eines aufrechten Körpers größer ist als die der Fußsohlen, wenn die Wärme von unten kommt. Auch ist die Wärmeschichtung der Luft geringer (oben wärmer als unten), als sie bei einer Fußbodenheizung auftritt. Wie sollen denn jetzt Bilder aufgehängt werden und wo dürfen denn noch Schränke oder Bücherregale stehen? Mit ein paar einfachen Tricks und ein wenig Vorausschau ist auch das kein Problem.

Die Deckenheizung ist ins Spiel gekommen, seitdem man Wärmepumpen auch zum Kühlen einsetzt. In unseren Breiten halte ich es allerdings für einen Mangel der Architektur und der Wahl der Baukonstuktion, wenn Gebäude technisch gekühlt werden müssen. Ah, die Sommer werden immer Wärmer als Folge des Klimawandels. Da ist Kühlen doch angebracht. Soso, Raumkühlung als eine Folge des Klimawandels, der durch Energieverbrauch erzeugt wird, soll also mit weiterem Energieverbrauch kompensiert werden? Echt jetzt? Das ließe sich mit intelligenter Architektur (auch in der Altbausanierung), mit den richtigen Dämmstoffen und – nicht zu letzt – mit Haus- und Stadtbegrünung erreichen.

Also, um die Vorlauftemperatur der Heizung niedrig auslegen zu können, werden die Heizflächen vergrößert, durch Wand-, Fußboden- oder Deckenheizung beziehungsweise auch einer Kombination davon. Sollte das nicht ausreichen, kann mit einer, gegebenenfalls raumweisen, Innendämmung nachgeholfen werden.

Es lohnt sich unbedingt dieses Thema sorgfälltig zu durchdenken und die dadurch erreichbaren Fördergelder mit einzukalkulieren. Alles andere wäre kurzsichtig.

Vom Dämmspecht heute

Heute war er wieder da, der „Dämmspecht“. Er hat es längst in die einschlägige Presse geschafft. Dennoch hat ihn kaum jemand zu Gesicht bekommen. Nein, nicht den Specht an der Fassade meines Nachbarn, sondern seine doch nicht so seltenen Kollegen. Auch ich war mit der Kamera wieder nicht schnell genug. Wovon ich rede?

Die Wand des Altbaus wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem gedämmt. Das Material der Dämmung ist hier Polystyrol. Darüber ein dünnlagiger Putz mit Armierungsgewebe. Der Blockinnenbereich hier bei uns ist recht groß und noch immer weitgehend grün mit Schrebergärten und alten, hohen Bäumen. So besucht uns immer wieder auch ein Specht. Der hat gefallen an der Fassade gefunden. Mit Inbrunst klopft er den Putz auf und höhlt die Dämmung dahinter aus. Die Bilder zeigen das.

Aufmerksam wurde ich darauf, weil die Klopfgeräusche so laut waren, dass ich sie durch das geschlossene Bürofenster hören konnte. Es ist ein „Sound“ wie auf Holz klopfen. Das ist der Grund, warum der Specht hier aktiv wird. Außerdem ist das Dämmaterial schön leicht auszuhöhlen.

Bei der Auswahl der Materialien der nachträglichen Wärmedämmung eines Altbaus – aber auch beim Neubau – kann darauf geachtet werden, ob es dem Specht leichter oder schwerer gemacht wird. Dämmsysteme mit einer relativ schweren Dämmung, z.B. aus Holzfasern, klingen anders. Das soll ein Grundsein, warum hier weniger Schäden durch Spechte entstehen.

Wenn es dennoch passiert ist, wie hier, sollten die Löcher unbedingt wieder geschlossen werden, damit kein Wasser (es ist eine Wetterseite!) eindringen kann und die Wärmebrücke, die wir jetzt haben, geschlossen wird.

„Unsere“ Fassade ist zu hoch, um per Leiter repariert zu werden. Es ist ein Gerüst nötig. Da der Garten aber keinen Zugang zur Straße hat, muss das Material für das Gerüst durch das Treppenhaus getragen werden. Weil das Gerüst aber deutlich teurer ist, als das schließen der Löcher, bleiben diese. Unter dem Dachüberstand mag es regentechnisch kein Problem sein. Beim exponierten, runden Loch allerdings regnet es in und hinter die Dämmung – bis der Schaden angemessen groß ist, damit sich Gerüst rechnet.

Altbau-Bad ohne Fliesen

„Ein Altbau mit Holzbalkendecken. Wir wollen ein neues Bad einbauen, möglichst barrierearm. Es gibt überzeugende Gründe, warum wir keine Fliesen einbauen möchten. Gibt es Alternativen?“

Es gibt gute Alternativen, ebenso wie es gute Gründe gibt, auf Fliesen zu verzichten. Einen, wie ich finde, sehr angenehmer Badboden ist ein geölter Korkboden – nicht beschichtet, denn dann geht in der Regel die angenehme Haptik verloren. In Kombination mit weißen, teils verputzten, teils gekachelten Wänden, geölten Buchenholzmöbeln, weißen Waschbecken etc. und modernen, verchromten Armaturen durfte ich das einige Zeit in London genießen. Mit zusätzlichem Blick auf die Themse war das schon besonders. Leider hatte ich damals keine Fotos gemacht. Ein Anstoß für die Phantasie bietet vielleicht dieser Korkboden:

Jetzt das Ende der Schwärmerei: Korkboden im Badezimmer ja, in der Dusche nein. Wenn die Dusche bodengleich sein soll, fällt er also aus.

Ob Vinyl-Böden (PVC) im Duschbereich taugen, weiß ich nicht. Ich meide PVC soweit ich kann. Warum, kann man u.a. im „Ökologischen Baustofflexikon“ oder wikipedia nachlesen.

Aber ansich wäre aber ein angemessen flexibler Kunststoffbodenbelag, der Seife, Shampoo etc. aushält, ideal. Auf einer Dienstreise habe ich eine Lösung gefunden:

einen durchgehenden Kautschukboden. Solche Bodenbeläge bestehen aus Natur- und/oder Industriekautschuk. Sie sind sehr robust, schwer entflammbar und im Brandfall rauchgastoxikologisch unbedenklich. Je nach Hersteller und Produkt erreichen Kautschukböden Qualitäten für Zertifizierungen für Nachhaltigkeit und Wohngesundheit. Neu sind die „Gummiböden“ nicht, in privaten Bäder eher selten. Es gibt sie weit länger als 50 Jahre.

Im Bad oben wurde auf den Boden eine niedrige Anschlagschiene für die Duschabtrennung aufgeklebt. Bahnenstöße werden wasserdicht aneinandergefügt. Die Bahnen können so verlegt werden, dass in der Dusche kein Stoß nötig ist.

Linoleum wäre ansich auch ein guter, robuster und ökologisch sinnvoller Bodenbelag. Allerdings habe ich im Bad die Erfahrung gemacht, dass mache Cremes dauerhafte Flecken hinterlassen. Irgendwann landen die auch einmal auf dem Boden.

Andere fugenlose Bodenbeläge für das Bad fallen mir nicht mehr ein. Es gibt noch Fliesen in der Größe von etwa 1 x 2 m. Sie sind ungewöhnlich biegsam und auch für Holzböden geeignet. Sie können nur von geschulten Spezialisten verlegt werden – aber auch sehr gut aussehen.

In jedem Fall müssen vor dem Einbau des Bodenbelags die üblichen Abdichtungsmaßnahmen erfolgen.

Bauen mit Papier dauerhaft?

„Wir hören und lesen immer wieder, dass Zellulose-Dämmstoffe, also recycltes Papier, ebenso gute Dämmeigenschaften hat, wie die sonst üblichen Dämmstoffe, aber einen deutlich geringeren Fußabdruck an grauer Energie, also bezüglich Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung. Aber halten die überhaupt lange und brennen die nicht?“

Es gibt so manche Baumaterialien aus Papier und sie sind ausgesprochen gut. Wir gehen einmal davon aus, dass sie vorschriftsgemäß trocken eingebaut sind, was ja für (fast) alle Materialien und Dämmstoffe gilt. Wo wir gerade dabei sind, bei einem Wasserschaden verhält sich Zellulose-Dämmaterial deutlich robuster als die üblichen Nicht-Naturbauboffe. Aber das nur am Rande.

Die Bilder zeigen Zellulosedämmung als Einblas- und als Mattenvariante (unten Mitte). Im ersten Bild ist sie lose geschüttet in der obersten Geschossdecke. Dann folgt eine Dachdämmung, eingeblasen zwischen die Sparren. Die blaue Bahn ist ein Baupapier zur Luftdichtung. Bild fünf zeigt eingebaute Zellulose-Dämmatten, Nummer sechs einen Erdgeschossboden mit Rohrdurchführung.

Auf Kunststoffolien und Ortschäume wurde vollständig verzichtet. Die Bilder stammen aus den Jahren 1989 bis 1995. Schon damals war das kein experimentelles Bauen, sondern Stand der Technik.

Die Frage nach der grauen Energie hat sich das altbau plus Energiefenster vor einigen Tagen angesehen.

Zum Thema Feuerbeständigkeit gibt es eine Vielzahl von Brandversuchen. Ein gelungenes Video haben wir bei youtube gefunden. Auch wenn dieser Test von einem Holzbauunternehmen durchgeführt wurde, kann er als beispielhaft gelten. Die Firma ist ja auch nicht Dämmstoffhersteller, sondern steht auf der Verarbeiterseite und muss gegenüber seinen Bauherren gewährleisten. Und natürlich spielt es für das Brandverhalten der Dämmstoffe keine Rolle, ob sie in einem Neubau oder einem Altbaudach eingesetzt werden.

Interessant dabei ist, dass Glaswolle und Steinwolle als „Nicht brennbar“ eingestuft werden. Streng genommen stimmt das. Allerdings tut diese Eigenschaft bei Frage nach einem vor Feuer schützendem Bauteil nicht viel zur Sache, wie zu sehen ist. Ach ja, analog zum Brandverhalten von recycelter Zellulose verhälten sich Dämmstoffe aus nachwachsenden, pflanzlichen Rohstoffen.

P.S.: Die Testbedingungen entsprechen nicht dem Normtestverfahren. Auch der „Dachaufbau“ ist nicht vollständig. Ich habe dieses Video ausgewählt, weil es auf einfache Weise eine Eigenschaft der Dämmstoffe zeigt. Es ist mir bewusst, dass dies der gängigen Praxis widerspricht.

Muss die Decke wirklich abgekratzt werden?

„Der Maler sagt, dass er die Decke nicht einfach überstreichen will, sondern dass alle alten Schichten entfernt werden müssen. Ist das wirklich nötig?“

Eine Altbaudecke, tapeziert, offensichtlich oft gestrichen. Teiweise löst sich die Tapete. Hier und da Unebenheiten, die auch übersehen werden könnten. Neu tapezieren sollte ausreichen. Doch der Maler will mehr. Warum?

Es ist schon richtig hier misstrauisch zu sein. Der Handwerker hat den Anspruch fachlich anständige Arbeit zu leisten – was wir ja auch erwarten. Das heißt ja nicht, dass immer „ein Rolls Royce“ an die Decke gepinselt werden soll, aber eine Gewährleistungen wir doch schon haben. Schauen wir uns die Decke an und das, was mit ihr gemacht wurde.

-1- Das ausgeräumte Wohnzimmer. Der Boden ist noch nicht abgedeckt.

-2- Tapete entfernen und erste Sondierungen bis zur allerersten Schicht. Es wurden Spachtelschichten auf Dispersionsfarbe auf Spachtelschichten auf Ölfarbe bis hin zur originalen Leimfarbe gefunden. Wer wohl auf die Idee gekommen war, die Decke in dunkelbraun zu streichen?

-3- Hier handelt es sich um eine alte Pliesterlatten-Decke, d.h. an die Holzbalken genagelte, kleine Latten als Putzträger mit Kalkputz. Da sie in der Regel recht fragil sind, wurde keine Schleifmaschine benutzt. Bei den vielen vorgefundenen Schichten wurde auf mehrmaliges Abbeizen verzichtet. Händisches Abkratzen bis zur ersten Farbschicht ist mühsam. Es war hier richtig, um angemessen sorgsam vorzugehen – und ein guter Verdienst für die Abiturientin im Hause.

-4- Erwartungsgemäß traten einige Überraschungen zu Tage. Ansich aber war die hundert Jahre alte Decke noch immer gut in Schuss.

-5- Bevor nun weitergearbeitet werden konnte, wurde die Decke mit diffusionsoffenem Tiefengrund verfestigt. Insgesondere Reste der wasserlöslichen Leimfarbe sollten keine Überraschungen verursachen. Es wäre nicht die erste Deckensanierung, die nach dem zweiten Anstrich wieder herunter gefallen wäre, wenn die aufgebrachte Feuchtigkeit endlich bis zur Leimfarbe durchgedrungen wäre, diese dann anlöste bis sie nicht mehr haftet. Zuerst wurden Versuche gemacht, bevor die komplette Decke behandelt wurde.

-6- Ursprünglichen waren es zwei Zimmer. Deren Trennwand wurde vor Jahrzehnten entfernt. Der so entstandene Deckenanschluss war mit Gipsmörtel und -spachtel auch über die alte Ölfarbe kaschiert – nicht sehr professionell. Hier musste erneut angeglichen werden.

-7- Brauner Spachtel, weißer Spachtel? Gips ist doch üblicherweise weiß, in England auch rosafarben. Nun, es wurde ja auch kein Gipsspachtel verwendet, sondern Lehm-Füll- und Flächenspachtel von zwei verschiedenen Herstellern. Die Farbe spielt dabei keine Rolle. Es gibt braune, weiße und andersfarbige Lehme für alle möglichen Zwecke am Bau.

-8- Das Spachteln wurde mehrlagig ausgeführt. Anschließend wurde die Decke – wieder von Hand – geschliffen. Da der Lehmspachtel relativ weich ist, war das weniger mühsam als zu erwarten wäre. In dem Bild liegt noch Staub in der Luft.

-9- Vor dem Farbanstrich wurde noch einmal grundiert. Es dann wurde mit einer Silikatfarbe zweimal gerollt. Sie hat eine sehr schöne, angehme Farbtiefe und wirkt weniger „aufgeklebt“ als Kunststoffdispersionen.

Soweit so gut, aber was ist nun mit der Frage eingangs? In diesem Fall ist die Antwort eindeutig: Ja, es war nötig. Der Maler hätte nicht gewährleisten können, dass die gesammelten alten Farb- und Spachtelschichten die weiteren neuen tragen würden. Außerdem ist jetzt eine solide Basis für spätere renovierungen geschaffen. Nach rund hundert Jahren darf das auch mal sein.

Eines bleibt noch anzumerken: Natürlich bleibt die Decke eine Altbaudecke. Die laserstrahlgenaue Ebenheit eines maschinell geschliffenen Neubaus lässt sich auf die hier gewählte Weise nicht erreichen. Dazu wäre eine neue Gipskartonkonstruktion nötig. Ob dabei die schönen runden Anschlüsse von den Wänden an die Decke erhalten blieben? In diesen Fall sollte der Charme des Altbaus erhalten bleiben.

Alte Elektroleitungen

„Was ist hier passiert? Wir haben die Tapeten entfernt, Löcher gefüllt und anschließend grundiert. Schon wärend des Aufbringens des Feinputz haben sich die Linien abgezeichnet.“

Die untere Linie führt geradewegs horizontal zur Steckdose rechts. Also wird hier das Kabel eingeputzt sein. Es zeichnet sich vermutlich deshalb ab, weil der Kabelschlitz nicht mit dem originalen Kalkputz, sondern mit Gipsputz gefüllt wurde. Das unterschiedliche Saugverhalten kann die Grundierung hier nicht vollständig ausgleichen.

Die Wand ist grundiert, Es ist noch nichts zu erkennen
Nach dem Aufbringen des Lehmputz und einer Nacht trocknen

Die obere Linie kommt von rechts oberhalb der Steckdose. Dort muss es einmal Dose gegeben haben. Dass dieser Schlitz allerdings links spontan nach oben abknickt, ist nicht ordnungsgemäß. Bei Verputzen der linken Wand wurde die Fortsetzung, in gleicher Weise abenteuerlich, sichtbar.

Soweit die Bauforschung. Die sollte bei der Altbausanierung aber stets parat stehen. Falls auf einer solchen Leitung wider Erwarten doch Spannung anläge, könnte das bekanntlich böse Folgen haben. Folglich wurden Anfang und Ende der Leitung gesucht und überprüft.

Über Pusch dieser Art können ganze Oper gesungen werden, Lieder reichen nicht da mehr. Es ist mir immer wieder unbegreiflich was für ein Schindluder so getrieben wurde, auch von Profis. Das – aus meiner Sicht – schlimme ist, dass sich das wenig geändert hat. Ich will wirklich niemand zu nahe treten. Sinn des Beitrags? Nutzt solche Gelegenheiten, wenn Unsichtbares sichtbar wird.

Ach ja, wieso ist die Grundierung Gelb und der Feinputz braun? Weil mit Lehmputz gearbeitet wurde und der passenden, körnigen – in diesen Fall gelben – Grundierung. Und warum gerade Lehmbaustoffe? Nun, sie sind in puncto Raumklima, Verarbeitbarkeit, Altbautauglichkeit und, nicht zuletzt, Nachhaltigkeit kaum zu schlagen. Mehr dazu bei den Lehmbau-FAQs.

Altbau vs. Passivhaus

„Kann ich meinen Altbau so sanieren, dass er hinterher ein Passivhaus ist?“

Warum nicht? Wie immer kommt es auf das Haus an, aber das wissen wir ja. Richtig ist, das es falsch ist, zu behaupten, es sei grundsätzlich unmöglich. Hier ein schon einige Jahre altes Beispiel: ein Dreifamilienhaus, dessen Dach ausgebaut wurde, komplett neue Haustechnik mit thermischen Solaranteil, recht dicker Außendämmung und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung erhalten hat – kurz, das volle Programm.

Mit Hilfe von Fördergeldern blieb die Fianzierung im Rahmen. Heute sind die Förderbedingungen deutlich besser als damals. Es lohnt sich sich hier gründlich zu informieren. Eine vernetzte, interdisziplinäre Planung ist bei solchen Vorhaben nötig. Es reicht sicher nicht aus, sich nur Handwerkerangebote einzuholen und einen Energiebrater für die Berechnungen für die Förderanträge zu beauftragen. Ein wenig mehr Enthusiasmus und Ergeiz ist von allen Beteiligten schon nötig. Warum sollte sich das nicht lohnen?

Wir können an dem Beipiel aber auch die Grenzen der Außendämmung sehen. Sie ist zwar gut gemacht, hat sich an das Original gehalten. Dennoch sind die Fensterleibungen nun schon recht tief. Bei einer anderen Architektur könnte man vertreten, die Leibungen etwas abzuschrägen. Hier wäre das zu fremd. Irgend einen Kompromiss muss man immer machen.

Was heißt das jetzt? Wieder einmal: Pauschalurteile sind wenig hilfreich. Ebenso, einfach irgend etwas machen ohne die Zusammenhänge zu betrachten. Man kann es nicht oft genug sagen. Allein die Perspektiven der Fördermöglichkeiten von kfw-Bank und bafa sind Motivation genug.

Fenster austauschen oder Reparieren?

„Das Fenster lässt sich nicht öffnen ohne, dass es aus den Angeln fällt. Muss ein neues eingebaut werden?“

In diesem Fall hat das Fenster einen Drehkipp-Beschlag. Das Kippen funktioniert, soll aus Energiespargründen aber nur selten genutzt werden. Bei der normalen Drehöffnung springt das Fenster aus der oberen Halterung des Beschlages. Es fällt an der Stelle nach vorne als würde es gekippt werden und droht gänzlich herauszufallen.

Die Antwort des angerufenen Fensterbauers nach der Bitte um Reparatur, nach ausführlicher Beschreibung auch mit Hilfe von Handyfotos, lautete: „Das lohnt sich nicht. Es kommen zwei Monteure, schauen sich das an, fahren wieder zurück, bestellen das Ersatzteil, kommen wieder, um es einzubauen. Kosten: 250,- bis 350,- €. Das ist ja schließlich ein Holzfenster und 15 Jahre alt. Bauen Sie lieber ein neues Kunststoffenster ein und sparen sie die Reparaturkosten.“

„Wie jetzt? Da ist etwas am Beschlag kaputt und ich soll ein neues Fenster einbauen??“

Manchmal ist das sicher richtig. Aber vorher sollte bitte genau hingesehen werden, wie hier dann geschehen. Der Fachmann wurde nicht beauftragt, sondern selbst Hand angelegt.

Der Axerarm (siehe Fotos) springt beim bewegen aus einem „Pin“ und verliert seinen Halt. Warum? Weil er nach oben verbogen ist. Das Blechteil könnte einfach bestellt und ersetzt werden. Ja, es gibt die Ersatzteile beim Hersteller. Allerdings ist die Größenbezeichnung so angebracht, dass der Arm ausgebaut werden muss, um sie abzulesen. Hm, dann kann man doch gleich versuchen den Arm gerade zu biegen? So wurde es gemacht. Das Fenster funktioniert wieder einwandfrei. Das Alles hat knapp eine halbe Stunde gedauert. Es war nur eine Person nötig.

Sicher können dafür keine fünf Jahre Gewährleistung gegeben werden. Das hat aber auch niemand verlangt. Warum war der Arm verbogen? Vermutlich weil das Fenster eine Zeit lang geklemmt hat und mit Kraft zugedrückt wurde, anstatt den gesamten Beschlag regelmäßig zu ölen. Auch das ist behoben. Das Fenster wird noch einige Jahre gut funktionieren.

Exkurs zum Thema Nachhaltigkeit: ökologisches und wirtschaftliches Handeln deckt sich wieder einmal. Der Fensterbauer dagegen hat einen Kunden verloren, auch für den Fall, dass eine Reparatur einmal nicht so leicht ist wie dieses Mal. Ich mag diese einfachen Beispiele, denn sie zeigen so schön , wie einfach Nachhaltigkeit sein kann.

Es ist kalt und zieht an den Füßen

Das Thermometer zeigt 23 °C und doch sind die Füße kalt. In Bodenhöhe zieht es ständig. Die Fenster sind zu. Alle Heizkörper sind gleichmäßig warm. Trotzdem ist es ungemütlich.

Schauen wir uns einmal um: Die Fenster sind zwar nicht neu, haben aber doch Isolierverglasung und erscheinen ausreichend winddicht. Die Wände sind auch nicht übertrieben kalt, so dass dort keine Kälte „herunter fließt“ in Richtung Füße. Die Heizkörper werden nicht ständig auf- und abgeregelt, sondern wärmen gleichmäßig.

In unserem Fall handelt es sich um einen Altbau mit schönen hohen Decken. Ja richtig, Wärme steigt nach oben und es gibt immer ein Mindestmaß an Konvektion im Raum, aber deswegen braucht es nicht derart zu ziehen. Die Türen sind so alt wie das Haus, also gut 100 Jahre. Sie sind überarbeitet und neu angestrichen. Sie schließen sogar einigermaßen gut.

 

Der ursprüngliche Dielenboden hatte im Laufe der Jahre verschiedene Beläge erhalten, die teils übereinander verlegt wurden. Dabei wurden die Türen unten abgesägt. Zuletzt wurden die Originaldielen, immerhin auch gut 100 Jahre alt, freigelegt, abgeschliffen und neu geölt. Das Abschleifen hat wieder einige Millimeter gekostet. Es ist also ein ansehnlicher Spalt zwischen dem Fußboden und der Tür entstanden. Wenn die Tür zwei gleich warme Zimmer trennt, wäre das kein Problem. Führt sie dagegen in ein ungeheiztes Treppenhaus, einen Flur oder dergleichen, drückt die kalte Luft von dort durch den Spalt in den warmen Raum und verteilt sich in Fußhöhe.

Abhilfe schaffen entweder mehr oder weniger schöne „Fugenbesen“ oder die gute alte Türschwelle. In der Altbauwohnung an alle Türen Schwellen einzubauen hat den Vorteil, dass damit ohne Aufwand Höhenunterschiede der Böden der einzelnen Räume ausgeglichen werden können. Auch optisch können Türschwellen attraktiv sein bei Materialwechseln. Für mich gibt es gestalterisch zwei Varianten: der verbindende, großzügige, gleichmäßig durchgehende Boden oder der, die einzelnen Räume betonende, Materialwechsel mit neutraler Schwelle. Das ist übrigens keine neue Erfindung, wie man an dem rechten Bild sieht.

Wenn Türschwellen genutzt werden, ergibt sich unter Umständen auch die Möglichkeit eine umlaufende Türdichtung anzubringen. Dann ist wärme- und schalltechnisch das Beste getan.

Man stolpert nicht über die Schwellen. Sogar Besuch hat sich schnell daran gewöhnt.

(Jetzt komme mir bitte keiner mit Barrierefreiheit, im zweiten Stock bei 3,80 m Geschosshöhe und keinem Aufzug.)