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Welchen Boden im Jahrhundertwendehaus?

„Schlagen Sie uns doch einmal einen Bodenbelag für unsere Wohnung im Obergschoss unseres Jahrhundertwendehauses vor.“

Wir haben ein Haus der Jahrhundertwende, also Holzbalkendecken. In der Regel ist zwischen den Balken Schlacke oder ähnliches eingebracht. Darüber bilden Dielenbretter mit „Ochsenblut“ gestrichen den ursprünglichen Boden. Die Decke im Geschoss bestehen aus mit Kalk verputzten Pliesterlatten. Der Schallschutz ist mäßig. Wenn daran nichts grundsätzlich verändert werden soll, bleiben eigentlich fast alle üblichen Bodenbeläge. Zu beachten ist, dass die alten Holzbalkendecken recht deutlich schwingen. Fliesen würden ohne weiteren Aufbau brechen.

Aus Schallschutzgründen würde ich einen guten, nicht zu dünnen Wollteppichboden empfehlen. Trittschall wird damit gut gedämmt und auch Luftschall wird reduziert. Wollteppiche wirken im Gegensatz zu Kunstfaserteppichen zusätzlich Raumklima ausgleichend.

Falls Teppich nicht in Frage kommt, sind Linoleum und Kork gute Alternativen. Kork ist auch bestens für Bäder geeignet, nicht nur weil er angenehm warm an den Füßen ist. Man sollte darauf achten, dass der Kork geölt ist und nicht mit einer Kunststoffschicht „versiegelt“. Letzteres gilt ebenfalls für Holz, z.B. Dreichschicht-Parkett, das hier schwimmend verlegt würde. Die Haptik und die guten raumklimatischen Eigenschaften bleiben so erhalten.

Es gibt wirklich viele Möglichkeiten. Die gestellte Frage lässt sich so pauschal nicht gut beantworten. Ach ja, Laminat lehne ich grundsätzlich ab. Holzimitat aus Papier und Kunststoff, hart, laut, kalt, gehört nicht in ein Jahrhundertwendehaus – eigentlich nirgendwohin. Die billigen sehen nach nur fünf Jahre unansehnlich aus. Für die teuren gibt es guten Ersatz.

Schauen wir uns ein Beispiel an: Vorgefunden haben wir einen Raum mit einem bestimmt 35 Jahre alten Linoleum-Belag (s.o.). Dass der inzwischen nicht mehr schön war, sei verziehen. Man hätte ihn tatsächlich noch fein anschleifen und ölen können, muss man aber nach so langer Zeit nicht. Also haben wir ihn entfernt und eine Lage Spanplatten vorgefunden.

Um zu wissen, wie es darunter ausschieht, haben wir ein Stück Spanplatte herausgesägt, so dass wir es wieder einbauen konnten. Gefunden haben wir eine intakte Mineralwolltrittschalldämmung (was ein Wort). Eigentlich mag ich Spanplatten und Mineralwolle auch wieder nicht. Ich mag aber auch keine Geldverschwendung. Funktionierendes wegwerfen, nur weil es alt ist, ist sicher nicht im Sinne der ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit. Darunter kamen die oben genannten, ursprünglichen Dielen zum Vorschein.

Wir haben uns dann entschieden nur den alten Belag auszuwechseln. Weil Kork an dieser Stelle farblich gut zur geplanten Einrichtung und Nutzung als Herrenankleide passt und gleichzeitig fußwärmer als neuer Linoleum ist, wurde sich für ihn entschieden. Die Struktur des Kork macht den Belag unempfindlich gegen sichtbaren Schmutz. Mit einem guten Natur-Hartöl geölt, lässt er sich bestens staubsaugen und aufwischen. Wenn es in zehn / fünfzehn Jahren nötig ist, kann der Korkboden geschliffen und neu geölt werden.

 

Müssen es immer Silikonfugen sein?

Auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit:

 

Der Holzdielenboden des Jahrhundertwendehauses ist original. Es sind tatsächlich die ersten Dielen, die hier eingebaut wurden. Sie haben ihre Spuren erhalten, aber dazu in einem anderen Beitrag. Hier geht es um die Fuge zwischen den später eingebauten Fliesen vor der Küchenzeile und den besagten Dielen. Im Laufe der Geschichte war hier eine „Matschepampe“ eingebaut worden, die seit geraumer Zeit nicht mehr dauerelastisch war, dafür ziemlich unansehnlich. Sollte wieder ein dauerelastisches, spritzbares Material in die Fuge, Silikon oder so?

Bei der Größe der Fuge von 10 – 12 mm wäre Spritzkork möglich, aber der würde optisch auffallen. Einen Streifen Kork, so wie er in Dehnungsfugen bei großen Parkettflächen verwendet wird, könnte man auch einpassen. Doch er fällt auch auf: Kork zwischen Dielen und Fliesen – hm.

Die letztlich sogar einfachste Möglichkeit war eine simple Holzleiste. Mit etwas Schleifen und einseitig Holzleim, war sie ebenso zügig eingebaut, wie der erwähnte Spritzkork – oder gar der sprichwörtliche „Handwerkertrost“ Silikon. Mit der Auffrischung der Dielen kam die farbliche Annäherung. Den Rest übernimmt die Sonne.