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Tauwasser bei Innendämmung?

„Ich habe gehört, dass das das übliche Berechnungsverfahren nach „Glaser“ die Gegebenheiten bei einer Innendämmung nicht darstellen kann. Nun habe ich aber ein Fachwerkhaus und kann es nur von innen dämmen. Woher weiß ich, dass ich keinen Fehler in puncto Tauwasser mache?“

Das ist schon richtig, was das übliche und normgerechte „Glaser-Verfahren“ angeht. Hierbei werden jedoch Materialeigenschaften wie die Wasserdampfaufnahme- und -abgabefähigkeit und die kapillare Leitfähigkeit nicht berücksichtigt. Bei dem Thema Außendämmung ist das auch in der Regel nicht nötig, bei der Innendämmung ist aber genau entscheidend, dass ein Baustoff, ebenso wie Luft, eine bestimmte Menge Wasserdampf aufnehmen kann, bevor Tauwasser ausfällt und das Bauteil durchfeuchtet. Rechenverfahren wie z.B. „Wufi“ vom Fraunhoferinstitut oder „Cond“ von der TU-Dresden können auch Innendämmungen realitätsgemäß abbilden.

Leider wissen noch immer die meisten Energieberater nichts von diesen Zusammenhängen. Gleiches gilt für die Kollegen Architekten etc. etc.. Daher erlaube ich mir hier ausnahmsweise darauf hinzuweisen, dass ich „Cond“-Berechnungen durchführen kann und dies auch gerne tue, allerdings nicht ganz „für lau“. Entscheident aber ist: Nicht abwimmeln lassen! Innendämmung im Fachwerkhaus und anderen Häusern ist lange Stand der Technik.

Ein weiterer Text zum Thema Innendämmung ist hier zum download.

 

Welcher Innenputz?

„Welchen Putz verwende ich am besten an Innenwandflächen?“

Grundsätzlich bevorzuge ich Lehmputze. Das sind Unterputz, Feinputz, Designputz, einlagige Lehmputze. Der Oberflächengestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Sie reicht von groben, strohhaltigen „Landhaus-Putz“ bis hin zu farbigen, fein geschliffenen Flächen bis zu möglichen Glanzputzen. Der normale, lehmfarbige Putz kann mit Wandfarben gestrichen werden. Soweit unterscheiden sich Lehmputze nicht von anderen Putzen. Aber:

Lehmputze sind weicher als Kalkzement-, Kalk- und Gipsputze. Zementputze gehören nur in seltenen Ausnahmen an übliche Innenwände. Bei Altbauten ist ein weicher Putz oft von Vorteil, weil der Putz so besser mit dem alten Mauerwerk (z.B. weiche Ziegel, weiche Fugen) harmoniert. Bewegungen und Spannungen können besser aufgenommen werden als von harten, spröden Putzen.

Lehmputze haben eine hervoragende Haftung. Sie lassen sich einfach verarbeiten. Dazu gehört, dass sie sich immer wieder anfeuchten und so erneut verarbeiten bzw. nachreiben und korrigieren lassen. Bei der Verarbeitung mit Putzmaschinen können die Schläuche über Nacht mit frischen Mörtel gefüllt bleiben. Da Lehmmörtel nicht chemisch abbindet, sondern nur trocknet, bleibt er in den Schläuchen plastisch. Das bequeme Reinigen der benutzten Werkzeuge mit Wasser, auch am nächsten Tag, sehe ich als Vorteil.

Altbauziegel, links vorgenässt (dunkel), oben Lehmunterputz – zum Schornstein, rechts, kommen wir noch

Aus ökologischer Sicht ist mir kein Putzmörtel bekannt, der eine bessere Nachhaltigkeitsbilanz erreicht. Lehmputz kann, auch nach vielen Jahren, ohne weiteres wiederverwendet werden. Wenn er mit wasserlöslichen Anstrichen wie z.B. Lehm- oder Kaseinfarben gestrichen wurde, stört dies die Wiederverwendung nicht. Verarbeitungs- oder Materialreste können ohne weiteres im Garten verteilt werden (solange sie nicht verunreinigt sind).

Und nicht zuletzt weisen Lehmputze mit deutlichem Vorsprung die besten Raumklima verbessernden Eigenschaften auf. Das bezieht sich auf den Luftfeuchte ausgleich und auf die Reduktion von Gerüchen. Dazu mehr in einem eigenen Beitrag.

 
Quelle: Eckermann – Ziegert – Lehmputz Raumklima

Als nächste, nach den Lehmputzen, kommen die reinen Kalkputze zum Einsatz. Sie sind immer dann nötig, wenn mit andauernder Feuchte zu rechnen ist oder in Spritzwasserbereichen wie z.B. Duschen. Dort, wo es technisch nötig ist, können es auch Kalk-Zementputze sein. Eine Patentlösung für alles sind sie allerdings nicht, auch wenn das vielfach so gehandhabt wird.

Zementputze sind Spezialisten für wenige, besondere Anwendungen im Innenbereich. Sie sind im Vergleich dicht, hart und spröde. Wenn bei Fachwerkhäusern der Außenputz in Platten abfällt, ist meist Zement im Spiel – ein fachlicher Mangel.

Von Gipsputzen halt ich persönlich nicht viel. Ich sehe keine Vorteile gegenüber Lehmputzen. Sie sind raumklimatisch gesehen die schlechtesten, lassen sich eben nicht wiederverwenden, haben eine begrenzte Verarbeitungsdauer, während angerührter Lehmmörtel einige Tage stehen kann. Allein billiger ist Gipsputz meistens. Nachvollziehen kann ich das allerdings nicht, denn ein einlagiger Lehmputz lässte sich ohne weiteres fürs gleiche Geld an die Wand bringen.