Was ist denn da passiert?

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Es geht uns auch eigentlich gar nichts an. Dennoch fällt mir beim Spazieren gehen diese Fassade seit Monaten auf.

Es war eine typische 60er-Jahre-Architektur. Das Haus wurde aufwändig modernisiert. Das Dach wurde gedämmt. Die Fenster wurden ausgetauscht. Die Fassade wurde gedämmt. Alles macht – aus Sicht des Passanten – einen guten Eindruck. Und dann das. Was wohl dahinter steckt, dass die äußere Verkleidung der Sockelfassade so leiden muss. Doch darum geht es hier nicht. Das Haus ist ein gutes Beipiel, wie ein alter Bungalow zu einem neuzeitlichen Haus werden kann.

Oft sind ja 60er-Jahre-Grundrisse ausgesprochen gut. Auch wurden damals nahe zu keine ungesunden oder sonst problematischen Baustoffe verwendet. Die Häuser sind einfach, aber von der Substanz her gut. Meist ist es kein Problem, Dach und Außenwände gemäß heute üblichen Maßstäben gegen Wärmeverluste zu schützen. Stilistische Veränderungen, dem aktuellen Geschmack entsprechend – wie hier geschehen – lassen sich verwirklichen. Mir persönlich sind Häuser aus den 50ern und 60ern deutlich lieber als die der 80er und 90er Jahre – nur weil ich selber aus dieser Zeit stamme. Sie sind einfacher ebaut und einfacher zu verändern.

Und hier? Das Erdgeschoss wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem gedämmt. Das hat offensichtlich funktioniert. Das Sockelgeschoss hat eine Vorhangfassade erhalten, also eine Unterkonstruktion aus Blechprofilen, die die Fassadenverkleidung trägt und den nötigen Abstand für die Dämmung herstellt. Die Mineralwolldämmung ist außenseitig mit einem Flies versehen. Bei einem Dach würde man es „Unterspannbahn“ oder „zweite wetterführende Ebene“ nennen. Deren Aufgabe ist es, bei Schäden an der ersten, äußeren „wetterführenden Ebene“ die Konstruktion vor Regen und Wind zu schützen. Eine imprägnierte Holzfaserdämmplatte z.B. kann das über einige Monate (tatsächlich meist deutlich länger als gewährleistet wird). Ein Flies oder eine feuchtevariable Unterspannbahn kann das ansich auch.

Die Mineralwolldämmung des Beipiels hier ist durch das Zerreißen des schwarzen Flies durchfeuchtet und hat längst begonnen auszufasern. Sie dämmt nun nicht mehr und muss erneuert werden. Unser Beispiel macht deutlich, dass es Sinn macht, sorgfälltig und mit Bedacht auf die richtigen Materialien zu achten.

Eine klasse Frage ist immer: „Was passiert denn, wenn hier einmal etwas kaputt geht?“

Text: altbau plus e.V.